Donnerstag, 22. Februar 2018

Hexe Liliput und das Drachenei

Hurra sie ist fertig die neue Geschichte von der kleinen rothaarigen Hexe Liliput, die diesmal ein Drachenei findet. 
Herzlich bedanken möchte ich mich bei meiner Freundin Elli, die mir das Bild ihres kleinen Drachens schickte und mich erst dadurch auf die Idee brachte.



 
Hexe Liliput und das Drachenei


Die Tür knallte gegen Wand und Liliput stürmte 

herein.

Ihre roten Haare standen nach allen Seiten, ihr 

finsterer Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes.

Die Wände wackelten und das Geschirr im Schrank 

klirrte.

Tinchen, die Schildkröte steckte ihren Kopf aus dem 

Panzer und betrachtete ihre Freundin Stirn runzelnd.

Was hat dich so verärgert?“

Anastasia!“

Tinchen seufzte. Die beiden Hexen würden nie 

Freundinnen werden,

Liliput ging aufgeregt auf und ab und immer wieder 

fuhr sie sich durch die Haare.

Einige Töpfe fielen vom Ofen.

Nimm deinen Besen und reagiere dich ab, bevor das 

 Haus noch einstürzt.“

Liliput warf der Schildkröte einen finsteren Blick zu, 

nahm aber doch den Besen und setzte sich darauf.

Kerzengerade schoss der Besen nach oben, schlug 

einige wilde Saltos, stürzte wieder herab, fing sich 

kurz vor dem Boden und raste dann in 

Düsengeschwindigkeit davon.

Lang sausten die Hexe und ihr Gefährt durch die 

Luft. 

Allmählich aber verlangsamte sich der wilde Flug und 

schließlich pendelte der Besen gemütlich durch die 

Luft.

So schnell wie ihre Wut kam, so schnell verging sie 

 auch wieder.

Längst schon lag der Wald hinter ihr und unter ihr 

war das Dorf. Auf den Weiden tummelten sich die 

Kühe, Pferde galoppierten mit hochgehobenen 

Schweif durch die Koppeln und irgendwo krähte ein 

Hahn.

Liliput lenkte ihren Besen zu dem Anwesen, auf dem 

ihre Freundin Marianne bei ihren Verwandten lebte.

Diese ging gerade über den Hof, hob die Hand an die 

Augen und winkte heftig.

Mit einem eleganten Schwung ihres Besen, landete 

die kleine Hexe direkt neben dem Mädchen.

Vorsichtig sah sie sich um, doch Marianne lachte.

Meine Tante und meine Base sind im nächsten Dorf 

bei Verwandten zu Besuch und die anderen sind alle 

auf dem Feld. Wir sind ganz allein.“

Jetzt erst hüpfte Liliput vom Besen und lachend 

lagen sich die Mädchen in den Armen. 

Marianne führte ihre Freundin in den Garten und sie 

setzten sich auf die Bank unter einem Apfelbaum.

Liliput erzählte nun von ihrer Schulkameradin 

Anastasia und deren Freundinnen, die sie wieder mal 

zur Zielscheibe ihres Spotts gemacht hatten.

Marianne tröstete sie und riet ihr, es doch genauso 

wie sie zu machen, schon lange hörte sie gar nicht 

mehr hin, wenn ihr Tante und Kusine sie beleidigten.

Sie verrichtete ihre Arbeit und Dank des Geschenkes 

von Liliput musste sie auch keinen Hunger mehr 

leiden.

Die Beiden kicherten und auch Liliput fühlte sich 

erleichtert. Es war doch schön eine Freundin zu 

haben mit der man über alles sprechen konnte.
   
Als sie im Hof jemand räuspern hörten, verschwand 

die kleine Hexe im Schutz der Bäume.

Getröstet und erleichtert schwebte sie dahin.

Plötzlich geblendet schlenkerte sie mit dem Besen 

und als sie sich wieder gefangen hatte, sah sie sich 

neugierig um.

Unter ihr in einer Felsspalte schimmerte ein 

smaragdgrünes Licht.

Im Sturzflug sauste Liliput nach unten und betrat die 

Höhle.

Sie folgte dem leuchtendem Schein und entdeckt ein 

großes grünes Ei.

Ein Drachenei,“ flüsterte sie ehrfürchtig.

In einem alten Buch in der Schulbibliothek hatte sie 

einmal ein Drachenei abgebildet gesehen.

Vorsichtig packte sie es in ihren Rock und schwang 

sich auf ihren Besen.

So vorsichtig war sie noch nie geflogen.

Als sie ihr Haus betrat sah sie entsetzt auf das 

Durcheinander.

Wer war denn das?“

Tinchen die gerade an einem Salatblatt zupfte hob 

den Kopf.

Du, als du deinen Wutanfall hattest.“

Oh, naja unwichtig, sieh was ich gefunden habe.“

Sie legte das smaragdgrüne Ei vorsichtig auf den 

Tisch.

Die Schildkröte runzelte die Stirn.

Ein Drachenei, die Drachen wurden doch vertrieben, 

wo hast du es gefunden?“

In den Bergen, in einer Felsspalte. Ach der arme 

kleine Drache, er ist auch eine Waise so wie ich.“

Liebevoll nahm sie das große Ei in den Arm , legte es 

vorsichtig in einen Korb und hüllte es in eine Decke.

Seufzend begann sie dann aufzuräumen, kochte sich 

eine Pilzsuppe und nahm dann das große 

Zauberbuch, denn sie musste für Morgen noch 32 

Zaubersprüche auswendig lernen.

Bevor sie sich schlafen legte, sah sie noch einmal 

nach dem Ei.

Am nächsten Tag in der Schule dachte nur immer an 

ihr Drachenei und als Frau Kassandra sie aufrief, 

damit sie den Zauberspruch 828 aufsagen sollte, da 

stotterte sie nur.

Natürlich kicherten und spotteten Anastasia und ihre 

Freundinnen, was ihnen einen strengen Blick der 

Lehrerin einbrachte.

Die kleine Hexe war froh als die Schule zuende war
 
und eilte schnell nach Hause.

Ganz leise betrat sie ihre Hütte und eilte sofort zu 

dem Körbchen mit dem Ei, fuhr liebevoll mit Hand 

darüber und wandte sich an Tinchen, die sie besorgt 

betrachtete.

Wie denkst du dir das wenn der Drache schlüpft.

 Er wird gejagt werden und wenn er größer ist, wird 

er eine Gefahr für den Wald.“

Ich werde ihn verstecken und beschützen, wie einst 

Graf Hektor von Trutzigen uns Hexen beschützt hat.“

Du weißt wie groß Drachen werden, wie willst du ihn 

verstecken?“

Ach, da wird sich schon was finden.“

Tränen liefen plötzlich über ihr Gesicht.

Verstehst du denn nicht, dass der kleine Drachen 

genauso einsam ist wie ich. Auch seine Eltern 

wurden gejagt und getötet.“

Trinchen verstand sie zu gut, sie weiß wie einsam 

Liliput ist und wie tapfer sie dies oft versteckt.

Trotzdem sagte sie ernst.

Mach dir aber nicht zu viel Hoffnung, du weißt doch 

gar nicht, ob noch Leben in dem Ei ist.“

Olle Unke!“ spottete die Hexe, deren Tränen genauso

schnell verschwunden sind wie sie gekommen.

Das Ei ist noch warm und du wirst sehen, es wird 

bald ein kleiner Drache daraus schlüpfen.“


Als hätte dieser es gehört, knackt es plötzlich und 

das Ei sprang in Stücke und ein kleiner grüner Kopf 

streckte sich neugierig heraus.

Liliput quietschte auf als der kleine putzige Drache 

auf ihren Schoß sprang und sich liebevoll an sie 

schmiegte.

Zärtlich streichelte sie das Neugeborene und warf 

einen triumphierenden ihrer Freundin zu.

Tinchen seufzte leise und dachte besorgt:

Ob das gut geht.‘


In einer späteren Geschichte werdet auch ihr 

erfahren wie es mit Liliput und dem Drachen weiter 

geht.


© Lore Platz

Montag, 19. Februar 2018

Die roten Lackschuhe


Wieder bin ich in den Keller meines Blogs gestiegen und habe eine ältere Geschichte hervorgekramt
Viel Spaß beim Lesen! 

 


Die roten Lackschuhe


Auf dem Weg zur Schule kam die achtjährige Anneliese an einem Schuhgeschäft vorbei.
Über dem Eingang hing ein goldenes Messingschild von dem der gestiefelte Kater frech herunter grinste und wenn der Wind ging, dann machte das Schild „bling,bling“
Dieses Schild hatte das Mädchen zuerst angelockt, doch seit einigen Tagen standen rote Lackschuhe im Schaufenster und Anneliese konnte sich nicht sattsehen.
Ganz platt drückte sie sich ihre Nase und bewunderte die schönen roten glänzenden Schuhe, die auf einem Podest standen.
Wie sehr wünschte sie sich, diese Schuhe zu besitzen, aber sie wusste, es ging nicht, denn ihr Vater war arbeitslos und suchte schon so lange nach Arbeit.
Ganz traurig war er geworden und auch die Mama die doch früher immer so gerne lachte und sang, war jetzt immer blass und still.
Anneliese würde nichts von den Schuhen erzählen, das sollte ihr Geheimnis bleiben.
Auch heute hielt sie vor dem Geschäft und drückte ihre Nase ganz fest an die Scheibe des Schaufensters, um „ihre“ Schuhe zu betrachten.
Doch was war das?
Ein Gesicht erschien und eine Hand griff nach den Schuhen und dann war das Podest leer.
Anneliese erschrak.
Traurig starrte sie vor sich hin und in ihren Augen sammelten sich Tränen.
Die Tür des Schuhgeschäfts öffnete sich und eine elegant gekleidete Dame, die ein Mädchen an der Hand führte, trat heraus.
Als sie die kleine Vortreppe herunter kamen, sah Anneliese :
Das Mädchen trug die roten Lackschuhe.
Anneliese wandte sich um und lief blind vor Tränen los.
Der Schulranzen auf ihrem Rücken hüpfte auf und ab und
die Tränen rannen nur so über ihr Gesicht.
Als sie das Miethaus betrat, setzte sie sich erst einmal auf die Holztreppe, um zu verschnaufen und die Tränen zu trocknen.
Die Mutter hatte scharfe Augen und würde nur fragen, warum sie geweint hatte.
Anneliese legte den Kopf in beide Hände und versuchte an etwas Schönes zu denken, das hatte die Oma immer zu ihr gesagt.
Ach die Oma, die war vor einem Jahr gestorben, wenn die doch hier wäre.
Mit ihr könnte sie über die schönen roten Lackschuhe sprechen.
Oben ging eine Tür und Anneliese sprang schnell auf und ging mit gesenktem Kopf die Treppe hinauf.
Als sie am Abend im Bett lag, dachte sie wieder an das Mädchen, das nun „ihre“ Lackschuhe trug.
Ach wie froh und glücklich würde diese sein.
Auf einmal war ihr, als würde die Oma ihr tröstend über das Haar streichen, wie sie es so oft getan hatte.
Und ihr fiel ein, was die alte Frau immer zu ihr gesagt hatte.
Wenn du einmal ganz traurig bist und mit niemanden über deinen Kummer sprechen kannst, dann erzähle es dem lieben Gott, der hört immer zu und vielleicht hilft er dir ja auch.“
Anneliese faltete die Hände und sprach sich ihren ganzen Kummer von der Seele.
Dann nahm sie ihren Teddy in den Arm und schlief getröstet ein.

Am nächsten Tag musste sie ihre Mutter in den Kleiderladen begleiten.
Dort gab es Kleider und viele Sachen zum Anziehen umsonst, gespendet von Leuten, die sie nicht mehr haben wollten.
Lustlos betrat Anneliese das Geschäft. Viele Menschen wühlten an den Sammeltischen und auch ihre Mutter ging zu ihnen.
Das Mädchen aber stromerte durch die Halle und sah sich gelangweilt um.
Da blitzte es rot vor ihren Augen auf.
Das waren doch die roten Lackschuhe, die das reiche gestern Mädchen getragen hatte.
Anneliese lief an den Stand und fuhr behutsam über das rote Leder.
Gefallen sie dir?“
Die Kleine sah auf und nickte.
Die freundliche Dame lächelte und nahm die Schuhe und stellte sie auf den Boden.
Probier mal, du hast Glück, die sind noch ganz neu. Das Mädchen, dem sie gehörten wollte sie nicht mehr, weil sie angeblich drücken und das Dienstmädchen von Frau Bergmeister hat sie heute morgen vorbeigebracht.“
Anneliese schlüpfte in die Schuhe.
Sie passten wie angegossen!
Du kannst sie behalten!“


© Lore Platz


Außerdem gibt es eine neue Geschichte in Reginas und meinem gemeinsamen Blog
Vielleicht gefällt sie euch auch.


https://autorenteam.blogspot.de/2018/02/auch-der-letzte-lebensabschnitt-hat.html

Dienstag, 6. Februar 2018

Möbel rücken






Habt ihr auch immer mal wieder gern die Wohnung 

umgeräumt? Ich schon!
 
Liegt es doch in der Natur der Frau, wie ein Vogel 

sein Nest immer wieder schöner auszupolstern.
 
Ich habe das immer gerne gemacht sehr zum 

Missfallen meines Mannes, den das gernervt hat.
 
Wenn er mal auf die Schnelle nicht gleich etwas 

gefunden hat , dann kam die spöttische Frage:
"
"Wo hast du es diesmal hingeräumt?"
 
Dabei war ich meistens unschuldig, er hatte wohl nur 

ein schlechtes Gedächtnis.
 
Kurz nach der Geburt unserer Tochter zogen wir in 

eine größere Wohnung. Diese war zwar preiswert, 

aber hatte schiefe Wände und eine Kommode stand 

etwas von der Wand ab und drohte umzufallen.
 
Also schnappte sich mein Göttergatte die 

Bohrmaschine und bohrte das Schränkchen mit der 

Rückwand an die Wand.
 
Dann drehte er sich zu mir um, schenkte mir ein 

richtig gemeines Lächeln und der Triumph sprühte 

aus seinen Augen.
 
"So dieses Möbel kannst du wenigstens nicht mehr 

umstellen!" Warum mir das heute eingefallen ist.
 
Eine Freundin hatte mir vorgeschlagen, mein Bett 

doch anders zu stellen.
 
Da habe ich festgestellt, dass ich jetzt in einem Alter

bin, an dem ich es liebe, wenn alles an seinem Platz

bleibt.


© Lore Platz

Dienstag, 23. Januar 2018

Tierschutz







Tierschutz








Gedanken,die vielleicht nicht jedem gefallen.
 

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und deshalb ist 

mein Verhältnis zu Tieren wohl anders. Unsere 

Katzen waren Freigänger und unser Hund tobte mit 

meiner Tochter und meinem Pflegekindern bei jedem 

Wetter draußen herum.
 
Ein Hund der ständig im Freien ist friert nicht so 

schnell, denn der Körper passt sich an.
 
Warum ich das erwähne.
 
Heute habe ich im Frühstücksfernsehen gesehen, 

dass in Dortmund der Tierschutzverein einem 

Obdachlosen seinen Hund wegnehmen wollte.
 
Die Begründung, er hätte ein verfilztes Fell, er würde 

frieren, weil er den ganzen Tag im Freien ist.
 
Und was mir besonders aufgestoßen ist, der Mann 

würde den Hund nur benutzen um Mitleid zu erregen.
 
Erstens hat jeder Obdachlose, ob mit oder ohne 

Hund mein Mitleid und zweitens wenn man die 

beiden beobachtet, dann spürt man die Liebe, die sie 

verbindet.
 
Würde man sie trennen würden alle zwei leiden und 

wer denkt er würde dem Hund damit etwas gutes 

tun, der hat keine Ahnung von Hunden.


© Lore Platz

Montag, 22. Januar 2018

Prinzessin Hinkelbein

Heute kommt der dritte Akt und dann fällt der Vorhang.
Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen! 





Der Ball

Cella in einem wunderschönen Kleid, das Frauke ihr genäht hat geht am Arm von Igor, die große Freitreppe. Sie ist etwas ängstlich, doch jedes mal wenn Igor sie zärtlich anschaut, fühlt sie sich wunderschön und sie hebt selbstbewusst den Kopf.
Hinter ihnen schreiten Frauke und der Professor festlich gekleidet, aber mit bangem Herzen.
Als sie den Saal betraten verstummte die Musik und die schön gekleideten Menschen starren sie an.
Prinzessin Sonja aber trat ihnen entgegen mit boshaft funkelnden Augen.
Du hast meine Einladung angenommen?“
Sie drehte sich zu den Gästen.
Darf ich vorstellen meine Schwester Hinkebein, die so hässlich ist, dass mein Vater sie weggeschlossen hat, weil ihr Anblick ihn beleidigte.“
Alle lachten.
Prinz Igor aber trat vor den König.
Er verbeugt sich und spricht mit lauter Stimme:
Majestät, ich bitte euch um die Hand eurer Tochter Cella, denn ich liebe sie.“
Wieder ertönte das schrille Lachen und Sonja rief.
Ihr liebt diese Missgeburt, seid ihr blind.“
Schallendes Lachen erfüllte den Saal.
Igor fühlte wie Cella in seinem Arm zitterte und drückte sie beruhigend.
Prinzessin Sonja, die einzige Missgeburt hier seid ihr. Auf den ersten Blick sieht man es nicht weil ihr eine schöne Larve habt, aber innerlich seid ihr verrottet. Ihr seid boshaft, gemein, herzlos,verschlagen und verzogen.“
Prinz Igor was erlaubt ihr euch!“
Zornig war der König aufgesprungen.
Er hat Recht!“
Die Feenkönigin hatte den Saal betreten und kam nun auf sie zu.
Sie lächelte Cella liebevoll an, betrachtete Sonja mit einem kalten Blick und wandte sich an den König.
Ich habe eurer Tochter Sonja strahlende Schönheit und viele Tugendenden geschenkt.
Doch ihr saht nur ihre Schönheit und vergötterte sie und die Tugenden ließt ihr verkümmern. Durch eure schlechte Erziehung habt ihr aus Sonja ein herzloses, egoistisches boshaftes Geschöpf gemacht.
Ich musste einschreiten, damit ihr diesen Fehler bei eurer zweiten Tochter nicht wiederholen konntet.“
Sie zog Cella zu sich heran und lächelte.
Ich war die Hebamme und du warst ein wunderschönes Baby, doch ich gab dir eine Maske, denn nur so konnten sich auch die Tugenden die ich dir in die Wiege legte entfalten.
Auch brachte ich Frauke zu dir, denn kein Kind sollte ohne Mutterliebe aufwachsen.“
Cella warf Frauke einen liebevollen Blick zu und nickte.
Ich war immer in deiner Nähe, um dich zu bewachen und zu schützen und als Kräuterfrau wies ich dich in die Heilkunst ein. Leider konnte ich dich vor Leid und Spott nicht schützen und deine Schwester war ja immer besonders erfinderisch darin dich zu quälen. Doch bist ein wunderbarer Mensch geworden, nicht verdorben durch die Affenliebe deiner Eltern und Prinz Igor hat erkannt wie schön du unter der Maske bist. Deshalb brauchst du diese nicht mehr.“
Sie fuhr über den Scheitel der Prinzessin und das dünne mausgraue Haar verwandelte sich in dunkelbraune leuchtende Locken, die weit über ihren Rücken sich ergossen.
Dann strich sie über die Nase und statt der dicken Knolle erschien ein lustiges Stupsnäschen.
Ganz zart berührte die Fee das verkürzte Bein und Cella spürte ein Kribbeln und stand auf zwei gleichlangen Beinen.
Prinz Igor beugte sich zu Cella und flüsterte.
Welch ein Glück, dass sie dir die Sommersprossen gelassen hat, denn in die habe ich mich zuerst verliebt.“
Cella lachte fröhlich und die Versammelten lauschten den melodischen Klängen, die von der schrillen Stimme Sonjas unterbrochen wurde.
Vater, du wirst doch dieser Hochzeit nicht zustimmen!“
Schweig!“
 Erschrocken flüchtete sich das Mädchen in die Arme ihrer Mutter. In so einem Ton hatte der Vater noch nie mit ihr gesprochen.
Dieser wendetet sich dem jungen Paar zu.
Prinz Igor, ich gebe euch meine Tochter Cella zur Frau, behandelt sie besser als ich es getan habe.“
Der Prinz verneigte sich stumm und Cella sah ihren Vater mit ernsten traurigen Augen an.
Dieser senkte beschämt den Kopf.
Ein gutes Wort, König Stanislaus, ich hoffe ihr werdet in Zukunft euch auch wieder mehr um eure Untertanen kümmern.“
Der König nickte ernst und sein Blick ging zu seiner Frau und Sonja.
Ja, auch um Prinzessin Sonja müsst ihr euch kümmern und versuchen eure Fehler wieder gut zu machen. Ich will euch die Sache erleichtern.“
Die Feenkönigin hob die Hand und auf einmal wuchs Prinzessin Sonja eine dicke Knolle im Gesicht, ihre Ohre zogen sich in die Länge ähnlich einem Esel und ihr schönen Haare fielen in langen mausbraunen Strähnen über ihren Rücken.
Entsetzt wichen die Menschen zurück.
Sonja sah sie erstaunt an, dann fiel ihr Blick in den großen Kristallspiegel gegenüber.
Sie schlug beide Hände vors Gesicht und lief hinaus, die Mutter folgte ihr.
Hört König Stanislaus, ihr habt es in der Hand wenn es euch gelingt eure Erziehungsfehler wieder gut zu machen und aus Sonja ein liebenswertes Mädchen, dem andere wichtiger sind als sich selbst , zu machen, dann wird sie auch wieder ihr altes Aussehen erhalten.
Stöhnend sank der König auf seinen Thron und stützte seinen Kopf in beide Hände.
Am nächsten Morgen fuhren Igor, Cella, Frauke und der Professor nach Minosoto,
Ich brauche euch wohl nicht zur berichten, dass die beiden sehr glücklich und ihren vier Kindern wundervolle Eltern wurden.
Von Prinzessin Sonja habe ich nichts mehr gehört.
Ende

© Lore Platz





Sonntag, 21. Januar 2018

Prinzessin Hinkebein

Heute will ich euch erzählen wie es mit Prinzessin Cella weitergeht.



 
Der Prinz

Es war einige Tage nach Cellas 17ten Geburtstag.
Das Mädchen kniete im Garten und zupfte das Unkraut in ihrem Kräuterbeet, da hörte sie ein lautes Wiehern und einen Schrei .
Sie öffnete schnell die Pforte.
Direkt vor dem Parktor lag ein junger Mann mit geschlossenen Augen und stöhnte.
Die Prinzessin kniete sich neben den Verletzten und tastet vorsichtig seinen Kopf ab, am Hinterkopf hatte er eine große Beule.
Der Mann öffnete die Augen und richtete sich auf.
Cella hielt ihm drei Finger vor die Augen.
Wie viel Finger sind das?“
Wollen sie wissen, ob ich bis drei zählen kann?“
Das Mädchen lachte.
Nein ich will nur testen, ob sie eine Gehirnerschütterung haben, scheinbar nicht, können sie aufstehen?“
Ächzend erhob sich der Mann und stöhnte erneut, als er den linken Fuß aufsetzte.
Stützen sie sich auf mich.“
Gemeinsam humpelten sie in den Garten.
Frauke kam aus dem Haus und hinter ihr der Professor.
Was ist denn passiert?“
Da hat ein Pferd wohl seinen Reiter abgeworfen,“ lachte die Prinzessin.
Darf ich mich vorstellen, Prinz Igor von Minosoto,
zur Zeit ohne Pferd und nicht nur der Kopf und der Fuß ist verletzt sondern auch mein Stolz.“
Bald lag der Patient verbunden auf dem Sofa.
Zum Glück war das Bein nicht gebrochen sondern nur verstaucht.
Der Professor hatte das Haus verlassen um nach dem Pferd zu sehen.
Er berichtete, dass man es inzwischen eingefangen und ein Bauer es bei sich untergestellt hatte und versorgen würde, bis der Prinz wieder gesund wäre.
Das ging aber nicht so schnell und der Prinz war nicht böse darüber, denn es gefiel ihm in dem kleinen Häuschen, in dem soviel Harmonie herrschte.
Staunend beobachtete er wie jeden Tag große Töpfe mit Essen gekocht wurde, die dann von einigen Männern aus dem Dorf abgeholt wurde.
Wie Cella jeden Tag zu den Kranken ging und der Professor zu den Kindern im Dorf um sie zu unterrichten.
Frauke aber setzte sich nach der Arbeit zu ihm mit einem Strickzeug und erzählte ihm von Cella ihrer Pflegetochter.
Besonders schön waren die Abende.
Wenn Cella mit ihrer wohlklingenden Stimme vorlas oder der Professor Klavier spielte und das Mädchen dazu sang.
Prinz Igor fühlte sich wohl in dieser kleinen Runde und es wurde ihm warm ums Herz wenn er Cella ansah.



Eines Tages hörte er kichern und rufen vor dem Haus und trat ans Fenster.
Vor dem Haus standen einige hübsche Mädchen und eines der Mädchen fiel ihm besonders auf.
Frauke trat neben ihn und seufzte.
Sind sie schon wieder da, ein Glück, dass Cella nicht zu Hause ist.“
Wer sind diese Mädchen?“
Prinzessin Sonja und ihre Gespielinnen, ab und zu kommen sie vorbei um Cella zu verhöhnen und verspotten.“
Schon rief Sonja.
He Prinzessin Hinkebein, wo bist du denn, komm heraus ich möchte dir etwas sagen!“
Was willst du?“
Cella war durch die Pforte gekommen und stand nun hinter ihrer Schwester.
Aaah, da bist du ja , ich habe doch am Samstag Geburtstag und da wird natürlich ein großer Ball gefeiert, willst du nicht auch kommen und mit uns feiern?
Ach nein, ich vergaß, du kannst ja gar nicht tanzen und außerdem würden sich meine Gäste gruseln, bei deinem Anblick. Vergiss es, war eine dumme Idee von mir.“
Cella sah sie ernst und traurig an.
Sonja, du bist so wunderschön, wirst von unseren Eltern geliebt und alle deine Wünsche werden erfüllt und trotzdem bist du so unzufrieden.
Du tust mir leid!“
Sonja kreischte: „Habt ihr das gehört, dieser hässliche Hinkefuß hat Mitleid mit mit, mir, die ich schöner bin als die Sonne.“
Sie lachte, ein hässliches schrilles Lachen und ihre Gespielinnen lachten mit.
Mit schnellen Schritten eilte Cella an ihrer Schwester vorbei und schloss die Tür hinter sich.
Mit geschlossenen Augen lehnte sie sich dagegen und Tränen liefen über ihr Gesicht.
Frauke will auf sie zu eilen, doch Prinz Igor hält sie zurück.
Er tritt zu Cella und nimmt ihr Gesicht in beide Hände.
Sieh mich an,“ flüsterte er zärtlich.
Das Mädchen öffnete die Augen in denen immer noch Tränen schimmern.
Ich habe deine Schwester beobachtet, auf den ersten Blick wirkt sie schön, doch als sie begann dich zu verspotten, da funkelten ihre Augen vor Gehässigkeit und Bosheit, ihr Gesicht verwandelte sich in eine hässliche Fratze und ihre kreischende Stimme und ihre schrilles Lachen geht durch Mark und Bein.
Sie ist vielleicht von außen schön, aber ihr Inneres ist total verrottet.
Du aber bist schön, deine Güte und deine Herzlichkeit strahlen von Innen. Dein herzliches Lachen macht deine Umgebung glücklich.
Viele Menschen lieben dich und nennen dich den Engel vom Schloss.
Doch am meisten liebe ich dich und bitte dich meine Frau zu werden.“
Cella nickte und Frauke, die die Schürze vor die Augen gedrückt hatte, schluchzte laut. 

Morgen geht es weiter