Freitag, 22. Dezember 2017

Hermann und Herminchen und der Weihnachtself

Mit einer neuen Trollgeschichte möchte ich mich für dieses Jahr von euch verabschieden.
Ich wünsche euch ein friedliches Weihnachtsfest im Kreis eurer Lieben.
Ich freue mich auf meine Tochter, die Morgen kommt und werde die Zeit mit ihr genießen. 
Viel Spaß beim Lesen!



 
Hermann und Herminchen und der Weihnachtself


Hand in Hand und dick vermummt spazieren Hermann und Herminchen durch den tief verschneiten Wald zu ihrem gemütlichen Heim.
Sie haben bei dem Mann ohne Haare und dessen Frau, die man Oma nennt gefrühstückt,
Heute war der erste Advent und das Haus war herrlich geschmückt und duftet nach Wald.
Und auf dem Tisch stand ein runder Kranz aus Tannen und darauf waren vier Kerze.
Während des Frühstücks brannte eine Kerze und die Frau, die man Oma nennt hat ihnen erklärt was es bedeutet.
Ganz eigen wird ihnen danach zumute und beide denken, dass die Bräuche der Menschen doch sehr schön sind.
Plötzlich drückt Hermichen Hermanns Hand.
Hast du das auch gesehen, zwischen den Büschen hat es rot geleuchtet. Da schon wieder!“
Nun sieht auch der Troll es.
Komm heraus, wer immer du bist!“
Die Büsche teilen sich und ein kleiner Wichtel mit spitzen Ohren kommt schüchtern hervor.
Was für ein süßer Wichtel!“ ruft Herminchen und klatscht in die Hände vor Freude.
Ich bin kein Wichtel,“ sagt dieser scheu, „ich bin ein Weihnachtself.“
Woher kommst du und was ist ein Weihnachtself?“ will Hermann wissen.
Lass ihn in Ruhe, siehst du wie der Kleine friert, wir wollen ihn mit zu uns nehmen.“
In Herminchen erwachen mütterliche Gefühle, als sie das kleine Kerlchen sieht.
Staunend sieht sich der Weihnachtself in der Wohnung um, wie gemütlich es hier war.
Unter den gütigen Blick der Trollfrau verliert er seine
Scheu und als sie gar noch Kakao und Plätzchen auftischt da greift er tüchtig zu.
Und erzählt, dass er vom Himmel immer herunter gesehen hat und die Erde und die Menschen kennen lernen wollte. Deshalb hatte er sich auf dem Schlitten des Nikolaus versteckt und ist mit ihm herunter gefahren. Als sie durch diesen Wald fuhren ist er abgesprungen und hat sich versteckt.
Der Elf reißt auf einmal ganz weit den Mund auf und gähnt ganz laut.
Die Trolle lachen und Herminchen bereitet ihrem kleinen Gast ein Bettund deckt ihn liebevoll zu. Sie gibt ihm einen Kuss und streicht ihm über den Kopf. Glücklich kuschelt sich der Kleine in die Decke und ist fast sofort eingeschlafen.
Hermann beobachtet sein Herminchen besorgt und als sie zurück zu ihm an den Tisch kommt, nimmt er ihre Hand und sagt leise.
Du weißt, dass wir ihn nicht behalten können.“
Die Trollfrau nickt traurig und seufzt bekümmert.
Es wäre so schön einen Sohn zu haben.“
Ja, aber der Feenkönig wollte alle Trolle für immer auslöschen und nur uns beide hat er verschont, aber wir werden auch die einzigen Trolle bleiben.“
Aber er ist kein Troll, vielleicht könnten wir ihn an Kindes statt annehmen?“
Nein, er muss wieder zurück, sicher wird er vermisst.“
Bald gingen auch die beiden schlafen.
Herminchen schläft sehr unruhig und ist lange vor den anderen wach.
Leise zieht sie sich an und verlässt die Höhle.
Über Nacht hat es wieder geschneit und in Gedanken versunken stapft die Trollfrau durch den den tiefen Schnee.
Um diese Zeit begegnet sie noch niemanden so kann sie ungestört nachdenken.
Hermann hat ja Recht, der kleine Elf gehört in den Himmel.
Leise öffnet sie die Tür und lächelt, als sie Hermanns Schnarchen hört.


Vorsichtig tritt sie an das Bettchen ihres Gastes und fängt gellend an zu schreien.
Hermann setzt sich vor Schreck senkrecht im Bett auf und der kleine Elf sieht sie erschrocken an.
Was ist denn los?“
Der Kleine hat ein Stück von seinem Ohr verloren, es liegt auf dem Kissen.“
Der Troll springt aus dem Bett und starrt ebenfalls auf ihren Gast.
Dieser tastet neben sich und greift sich das Stück. Sein Gesicht wird flammendrot.
Er greift sich an das andere Ohr, zieht die Spitze ab und hält sie den beiden Trollen entgegen.
Was soll denn das?“ will Hermann wissen.
Ich bin gar kein Elf und habe auch keine Zauberkräfte, bin nur ein einfacher Wichtel. Der
Weihnachtsmann hat mich als Baby in diesem Wald gefunden, meine Eltern lagen erfroren neben mir, da hat er mich mit in den Himmel genommen. Alle waren sehr nett zu mir. Aber ich fühlte immer, dass ich anders war und hatte auch immer so Sehnsucht nach der Erde. Deshalb wollte ich wenigstens so aussehen wie die anderen Elfen und habe mir spitze Ohren gebastelt und angeklebt. Sie lachten mich anfangs aus, doch dann verstanden sie mich.“
Die Trolle sehen ihn einen Moment erstaunt an, dann prusten sie los.
Der Wichtel verzieht beleidigt das Gesicht, „nun lacht auch ihr mich aus.“
Aber du musst doch zugeben, dass das wirklich eine verrückte Idee ist und ziemlich clever,“ lacht Hermann und Herminchen kichert: „Und ich bin froh, dass deinen Ohren nichts passiert ist, alles nur Pappe!“
Nun muss auch der Wichtel lachen.
Wenig später fordert Hermann sie auf, nun endlich zum Frühstücken zu gehen.
Aber wir können den Kleinen doch nicht hier allein lassen und für draußen ist er viel zu leicht angezogen.“
Das haben wir gleich,“ Hermann schnappt sich eine Decke vom Bett und hüllt den kichernden Wichtel darin ein.
Du wirst den Mann ohne Haare und die Frau, die man Oma nennt gern haben. Wie heißt du überhaupt?“
Niki!“
Oma und Opa Schinkel sind begeistert von dem kleinen Niki und dieser sieht sich staunend in der Wohnung um.
Nach dem Frühstück gehen Hermann, Niki und Opa Schinkel in die Werkstatt.
Oma Schinkel, setzt sich an die Nähmaschine, um für den kleine Kerl warme Kleidung zu nähen und Herminchen, die inzwischen stricken gelernt hat versucht eine Mütze zu stricken.
Kurz vor dem Mittagessen kommen die drei Männer in die Küche und Niki zeigt stolz seine Stiefel, die der Opa ihm gemacht hat.
Und als er dann später noch die warmen Kleider anzieht, ist er überglücklich.
Als sie gegen Abend wieder nach Hause gehen gibt ihnen Oma Schinkel, noch einen Korb mit leckeren Sachen und eine große Thermoskanne mit heißer Schokolade mit.



Für Niki aber beginnt eine herrliche Zeit. Er lernt die Tiere des Waldes kennen, tobt mit den Hasen im Schnee herum, hilft dem Eichkätzchen beim Suchen seiner Nüsse und darf Opa Schinkel helfen, wenn er Futter für die Tiere bringt.
Dafür hatte dieser im Herbst extra eine schöne Futterkrippe gebaut.
Selbst das Herz der grummeligen Frau Eule hat der kleine Schelm gewonnen.
Am Wochenende lernt Niki auch die zwei Langhaare kennen. Susi und Renate sind begeistert von ihm.
Sie bauen mit ihm einen Schneemann und Hermann und Herminchen stehen am Fenster und sehen glücklich zu.
Sie seufzen leise, 'ach wie schön wäre es'
Niki ist todmüde, als sie abends nach Hause gehen und Hermann muss ihn tragen.
Herminchen bringt den Kleinen ins Bett und Niki denkt kurz vor dem Einschlafen: ' wenn ich doch immer hier bleiben könnte.'
Am nächsten Tag Morgen ganz früh klopft es an der Tür und als Herminchen verschlafen öffnet, erblickt sie Frau Eule.
Hör zu, heute Nacht habe ich beobachtet wie das Sandmännchen auf einem Mondstrahl auf die Erde gekommen ist. Ich habe es gebeten, dem Weihnachtsmann zu sagen, wo sich Niki befindet. Nun aber muss ich schlafen gehen.“
Sie rauscht davon.
Herminchen schließt die Tür und lehnt sich dagegen, Tränen laufen über ihr Gesicht, denn nun mussten sie sich wohl von Niki trennen.
Wer war das?“ fragt Hermann, der inzwischen aufgewacht ist.
Herminchen erzählt es ihm und auch er wird traurig.
Leise treten sie an das Bett und betrachten voller Liebe den Kleinen, dessen Backen vom Schlafen ganz rot sind.




Am Nachmittag desselben Tages klopft es.
Ich geh schon!“ ruft Niki und rennt zur Tür.
Weihnachtsmann!“ jubelt er und springt direkt in die Arme des Weihnachtsmanns.
Hermann und Herminchen treten langsam vor das Haus.
Das Sandmännchen hat mir gesagt, wo der kleine Ausreißer ist und ich danke euch beiden, dass ihr ihn so liebevoll aufgenommen habt. Dann werde ich ihn wohl wieder mitnehmen.“
Die Trolle senken schnell den Kopf, damit man ihre Tränen nicht sehen kann.
Forschend sieht der Weihnachtsmann sie an. Niki aber flüstert ihm etwas ins Ohr.
Bist du sicher!“
Der alte Mann räuspert sich.
Hört mich an, Niki ist hier in diesem Wald geboren, seine Eltern leben nicht mehr, deshalb habe ich ihn mitgenommen. Aber so richtig heimisch hat er sich bei uns nie gefühlt. Nun hat er mir gesagt, dass er bei euch bleiben möchte. Wollt ihr das auch?“
Ach ja! Wir haben ihn so lieb, als wäre er unser Kind.“
Niki jubelt und springt vom Arm des Weihnachtsmannes direkt in Arme Herminchens, die beinahe rückwärts in den Schnee gekullert wäre.
Lächelnd betrachtet der Weihnachtsmann die glückliche kleine Familie und er weiß, dass Niki endlich heim gefunden hat.
War das eine Freude auch bei der Familie Schinkel und an Weihnachten sitzen die Großeltern, die Eltern und die Trolle neben dem geschmückten Baum und beobachten glücklich lächelnd Susi, Renate und Niki beim Spielen.

© Lore Platz



Dienstag, 19. Dezember 2017

Der Geiger und das Jesuskind

Wieder habe ich eine Geschichte aus dem Keller meines Blogs geholt. Übrigens eine meiner Lieblingsgeschichten.
Viel Spaß beim Lesen!





Der Geiger und das Jesuskind


Mit einem dumpfen Knall schließt sich das große Gefängnistor hinter Sebastian.
Fest umfasst seine Hand den Geigenkasten.
Mitten aus der Probe hatte man ihn damals verhaftet, denn er hatte einen Scheck seines Chefs gefälscht. Zwei Jahre war er nun im Gefängnis gewesen.
Er sieht sich um, doch niemand ist da, um ihn abzuholen. Sein Eltern hatten ihn ein paarmal besucht und insgeheim hatte er gehofft, dass sein Vater jetzt hier wäre und ihn mit nach Hause nähme.
Leise beginnt es zu schneien und Sebastian steigt in den Bus, der ihn in die Stadt bringt.
In der Jackentasche steckt ein Zettel mit der Adresse eines Sozialarbeiters, der ihm weiter helfen sollte.
In der Stadtmitte steigt er aus.
Die Schneeflocken waren dicker geworden und die Straßen sind kaum zu sehen, trotzdem bemerkt er, dass alles weihnachtlich geschmückt ist.
Ach ja, morgen war ja der Heilige Abend.
Letztes Jahr hatte er ihn in der JVA verbracht. Sie sangen Weihnachtlieder in dem großen Gemeinschaftsraum und es gab sogar Plätzchen. Von seinen Eltern war ein Paket gekommen.
Was sie morgen wohl machen und ob sie ihn überhaupt sehen wollen?
Auf einmal steht er vor einem Pfandleihhaus.
Sollte er die Geige versetzen? Ein paar Euro würde sie bestimmt bringen und er könnte sich eine ordentliche Mahlzeit kaufen.
Doch dann geht er entschlossen weiter.
Nein, die Geige hatte seinem Großvater gehört,lieber hungern.
Aus den dicken Schneeflocken ist inzwischen ein Schneesturm geworden.
Sebastian schlägt den Kragen seiner Jacke hoch und hastet vorwärts.
Er sieht kaum die Hand vor den Augen.
Plötzlich stößt er an eine Stufe und sieht eine Kirche vor sich.
Dort würde er Schutz finden vor dem grässlichen Wetter.
Mühsam drückt er die schwere Tür auf und schlüpft hinein.
Stille umfängt ihn.
Er setzt sich auf eine der Bänke und legt den Geigenkasten neben sich.
Es riecht nach Weihrauch und Tannen, denn ein großer Adventskranz hängt vorne am Altar von der Wand herunter. Die Dochte aller vier Kerzen sind schwarz. Am Sonntag war ja der vierte Advent gewesen.
Unter dem Adventskranz aber ist die heilige Familie aufgebaut.
Josef in seinem braunen schweren Umhang, den Blick in die Ferne gerichtet, als mache er sich Sorgen über irgendetwas.
Maria in einem blauen langen Kleid einen weißen Schleier über dem Kopf sieht voller Liebe auf ihr Kind.
Das Jesuskind aber liegt in der Krippe, die Hände weit ausgebreitet als wollte es die ganze Welt umarmen.
Auf einmal dringt ein Sonnenstrahl durch die bunte Scheibe des Kirchenfensters und Sebastian ist, als würde das Jesuskind ihn anlächeln.
Wie unter Zwang holt er seine Geige aus dem Kasten
und geht mit langsamen Schritten nach vorne.
Er hebt die Geige, stützt sie unterm Kinn ab und dann beginnt er zu spielen. Lieblich strömen die Töne hervor und er spielt so schön, wie er noch nie gespielt hat.




Die Geige jubelt und jauchzt zu Ehren Gottes und das Jesuskind strahlt ihn freundlich an.
Sebastian wird ganz warm ums Herz und er spürt wie all sein Kummer sich löst und mit den Tönen verschwindet.
Wie aus einem Traum erwachend lässt er die Geige sinken und bemerkt in der Tür zur Sakristei einen Priester, der Tränen in den Augen hat und nun mit schnellen Schritten auf ihn zu eilt und ihm beide Hände entgegenstreckt.
Erschrocken wendet Sebastian sich um und geht mit schnellen Schritten davon.
Der Pfarrer schürzt seine schwarze Soutane und läuft ihm nach.
Junger Mann warten sie doch, sie sind die Erhörung auf meine Gebete.“
Sebastian bleibt stehen und wendet sich um.
Atemlos setzt sich der Priester in eine Bank und winkte ihn an seine Seite.
Man sollte fast an ein Wunder glauben, euch hat der Herrgott geschickt.“
Sebastian lacht bitter auf.
Hochwürden, dann doch eher der Teufel. Ich bin ein Sünder und wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen.“
Der Pfarrer sieht ihm lange in die Augen, dann lächelt er.
Ihr habt gute Augen und wenn ihr gerade aus dem Gefängnis kommt, dann habt ihre eure Strafe verbüßt.“
Ein verschmitztes Lächeln gleitet über sein Gesicht.
Aber Gott liebt doch die Sünder, wisst ihr das nicht? Jesus selbst hat doch gesagt:
Gott freut sich mehr über 99 Sünder, als über einen Gerechten.“
Er packt Sebastian am Arm und zerrt ihn zur Sakristei.
Kommt mit, meine Köchin soll uns einen guten Kaffee kochen und ich kann dir versprechen, sie hat einen prima Stollen und ihr Plätzchen zergehen auf der Zunge. Du kannst mir ja dann erzählen warum du im Gefängnis warst und ich sage dir, warum ich denke dass der liebe Gott dich ausgerechnet heute in meine Kirche geführt hat.“




Als sie dann in der warmen gemütlichen Stube sitzen erzählt ihm Sebastian seine Geschichte.
Wie er Lotte kennen gelernt hat und diese immer nur in die besten Restaurant, schicke Kleider und Schuhe und teure Wochenendreisen wollte. Und wie sein Konto hoffnungslos überzogen war und er dann einen Scheck seines Chefs gefälscht hatte.
Die Enttäuschung seiner Eltern und die Angst sie heute aufzusuchen.
Der Priester hat ihm ruhig zugehört, dann sagt er.
Hast du denn deine Tat bereut?“
Schon tausendmal!“
Siehst du, dann hat Gott dir auch längst vergeben und sonst hätte er dich heute auch nicht zu mir geschickt.“
Auf den fragenden Blick von Sebastian erklärt er ihm, dass vor einigen Tagen die Orgel kaputt gegangen ist und die Reparatur länger dauern wird.
Aber über die Weihnachtstage hatten sie keine musikalische Begleitung.
Und er fragt ihn, ob er den Kinderchor mit seiner Geige begleiten würde.
Mit strahlenden Gesicht nickt Sebastian.
Der Pfarrer bietet ihm sein Gästezimmer an und am Nachmittag ruft er den Chor zusammen, damit sie noch miteinander üben können.
Und am Abend steht Sebastian mit dem Kinderchor vor dem Altar und seine Geige jubelt wie noch nie.
Und als er nach dem wunderbaren Liede:
Stille Nacht, heilige Nacht“ die Geige sinken lässt sieht er in der ersten Bank seine Eltern sitzen, beide haben Tränen in den Augen .“


(c) Lore Platz

Sonntag, 17. Dezember 2017

Die Schlittenfahrt - Gedicht

Ich wünsche euch einen schönen dritten Advent.




Schlittenfahrt

Hurtig trabt der weiße Schimmel
Fröhlich seine Glöckchen bimmeln
Eingehüllt in warme Decken
Kann die Kälte uns nicht schrecken.
Große Flocken, weiße Pracht
Winter, wie hast die Welt du schön gemacht
Rote Bäckchen, blanke Augen, stimmen froh ein Lied wir an
Selbst der Kutscher brummt ganz leise, obwohl er doch nicht singen kann
Ein Hirsch edel und stolz
Kommt aus dem Unterholz
Regungslos bleibt er jetzt stehen
Überrascht uns hier zu sehen
Weiter geht’s , das Ziel erreicht
Das kleine Kirchlein, gleich hinter dem Teich
Gesichert ist der Schlitten, das Pferd versorgt
Schnell nun aber hinein, in den wärmenden Hort
Weihrauchduft und brennende Kerzen
Empfängt uns, erreicht unsere Herzen
Jubelnd vom Chor nun die Orgel erklingt
Alle erheben sich, vom Blatt man singt
Die schönen Weihnachtslieder, die lobpreisen die Mutter und ihr neugeborenes Kind
Nur für Josef kein einziges Wort man find'
Der Priester spricht den Segen, wir dürfen hinaus
Wünschen allen frohe Weihnacht und fahren nach Haus
Hurtig trabt der weiße Schimmel
Fröhlich seine Glöckchen klingen

© Lore Platz

Freitag, 15. Dezember 2017

Heute wieder eine ältere Geschichte

Einige werden sie sicher schon kennen, trotzdem viel Spaß beim Lesen!



 

Herrn Brummi kehrt heim



Traurig sieht die kleine Grete aus dem Fenster.
Wo Herr Brummi wohl jetzt war? Es war September gewesen, als sie ihren geliebten Teddybären im Wald vergessen hatte. Schrecklich geregnet hatte es und deshalb wollte Mama nicht mehr zurück laufen. Und am nächsten Tag konnten sie Herrn Brummi nicht mehr finden.
Viele Nächte hatte Grete sich seitdem in den Schlaf geweint und es abgelehnt, als Mama ihr einen neuen Bären kaufen wollte.
Niemand konnte Herrn Brummi ersetzen.




Es ist inzwischen Ende November und es hat zu schneien begonnen.
Herr Brummi war damals von einer alten Kräuterfrau mitgenommen worden und dann zusammen mit deren Pflanzen an eine Gärtnerei verkauft worden.
Dort saß er nun vor der Tür in einem Wagen mitten zwischen allerlei Blumen. Erst freute er sich, denn er dachte vielleicht kommt ja seine Grete vorbei und entdeckt ihn und nimmt ihn wieder mit nach Haus, doch die Tage vergingen und Herr Brummi wurde immer mutloser



Eines Tages wird der Wagen wieder in die Kammer mit den Dekorationsgegenständen geschoben.
Bertl setzt Herrn Brummi auf den Tisch.
So mein Junge, jetzt kommt die Weihnachtsdekoration, da kann ich dich nicht mehr brauchen. Was mache ich nun mit dir?“
Er nimmt den Bären und geht damit in den Verkaufsraum, wo seine Chefin gerade die feine Frau Bergmann bedient.
Chefin, was machen wir mit dem Bären?“
Ach der ist doch ganz niedlich, wissen sie was, ich nehme ihn mit für meine Ludmilla. Was wollen sie dafür?“
Nichts, nehmen sie nur, wir können sowieso nichts mehr damit anfangen.“
Zuhause holt sie den Teddy aus ihrer Tasche und zeigt ihn ihrer Tochter.
Diese verzieht angewidert das Gesicht.
Der ist ja potthässlich und schmutzig ist er auch! Ich will ihn nicht!“
Sie wendet sich ab und schlägt die Tür hinter sich ins Schloss.
Frau Bergmann betrachtet den Bären skeptisch.
Da habe ich mich wohl vertan, du bist wirklich hässlich und schmutzig.“
Sie setzt ihn auf die Fensterbank und verlässt den Raum.
Einige Zeit später kommt Ludmilla in das Zimmer und sieht den Bären auf der Fensterbank sitzen.
Du bist ja immer noch hier!“
Sie öffnet das Fenster, packt Herrn Brummi und schleudert ihn weit hinaus.
Unsanft landet dieser auf dem harten Schnee und bleibt benommen liegen.




Ein Hund beschnüffelt ihn.
Wo kommst denn du plötzlich her?“
Ein Mädchen hat mich aus dem Fenster geworfen.“
Der Hund sieht hinüber zu dem Haus:
Das war bestimmt die verwöhnte Ludmilla, will immer alles haben und ist niemals zufrieden.“
Herr Brummi nickt. „ Meine Grete war nicht so, ein liebes freundliches Mädchen ist sie.“
Komm mit in meine Hütte, dort ist es schön warm, dann kannst du mir ja erzählen, wieso du hier bist und nicht bei deiner Grete.“
Der Hund nimmt den Bären in die Schnauze und trägt ihn in seine Hundehütte.
Herr Brummi erzählt ihm nun von seiner langen
Wanderung und seiner Sehnsucht nach zu Hause.
Inzwischen ist es dunkel geworden und es hat wieder zu schneien begonnen.
Lass uns schlafen, morgen früh fragen wir Streuner, der kennt die ganze Umgebung.“
Bevor Herr Brummi noch fragen kann wer Streuner ist, ist der Hund bereits eingeschlafen.
Der Teddy schließt auch die Augen und schläft.
Am nächsten Morgen wird er geweckt durch das Bellen des Hundes, der die Hütte verlassen hat.
Herr Brummi guckt vorsichtig hinaus und sieht wie sein neuer Freund an einem älteren Mann hoch springt, der ihn liebevoll krault.
Der Mann hat die Schüssel mit Futter gefüllt und geht zurück ins Haus, während der Hund fröhlich um ihn herum springt.
Eine getigerte große Katze schlendert zu der Futterschüssel und lässt es sich genüsslich schmecken.
Der Hund kommt zurück und Herr Brummi befürchtet, er würde die Katze angreifen, die überhaupt keine Angst zeigt.
Hallo Streuner.“
Das ist also Streuner, denkt der Bär.
Der Kater schlabbert weiter in der Schüssel, die bereits halb leer ist.
Der Hund drängt ihn zur Seite.
Das genügt, lass mir auch noch etwas.“
Achselzuckend beginnt Streuner sich zu putzen.
Nachdem der Hund die Schüssel leer geleckt hat, setzt er sich hin und fragt.
Du kommst doch weit herum, kennst du ein kleines Mädchen namens Grete?“
Streuner hört auf sich zu putzen und schüttelt den Kopf, dabei betrachtet er Herrn Brummi, der seinen Kopf aus der Hundehütte streckt und aufmerksam lauscht.
Jetzt sieht er enttäuscht aus.
Streuner streckt sich, macht einen Buckel und gähnt herzhaft.
Lass mich in deiner Hütte schlafen, ich war die ganze Nacht unterwegs.“
Er kriecht neben Herrn Brummi in die Hütte und bald schläft er.
Komm mit, Streuner wird so schnell nicht wieder munter.Wir machen uns auf die Suche.“
Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und läuft mit ihm durch viele Straßen und Gassen, doch nicht eine kommt Herrn Brummi bekannt vor.





Sie treffen auf einige Vögel, die die Körner aufpicken, die aus einem Vogelhäuschen gefallen sind.
Hallo ihr da, kennt ihr ein Mädchen mit Namen Grete?“
Die Vögel verneinen, da ruft ein kleiner Spatz vom Ast eines Baumes herunter.
Ist sie etwa fünf Jahre alt und hat dunkelblonde Locken?“
Ja, das ist sie! Weißt du wo sie wohnt?“
Der Spatz verlässt den Baum und landet neben ihnen.
Nein.“
Herr Brummi verzieht enttäuscht das Gesicht, aber der Spatz spricht schon weiter.
Ich weiß wo ihre Oma wohnt.“
Nun ist kein Halten mehr. Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und folgt dem Spatzen.
Als sie das Häuschen erreichen, erkennt Herr Brummi es wieder, wie oft war er mit seiner Grete hier zu Besuch gewesen.
Leider ist die Gartentür geschlossen.
Doch der Hund legt die Vorderpfoten auf den Zaun und Herr Brummi klettert an ihm hoch und lässt sich auf der anderen Seite in den weichen Schnee fallen.
Glücklich verabschiedet er sich von seinem Freund,
bedankt sich auch bei dem kleinen Spatz, dann rennt er zum Haus, klettert die Stufen hinauf und setzt sich voller Erwartung vor die Tür.
Nach einiger Zeit öffnet sich diese und die Oma kommt heraus.



Nanu?“ ruft sie, als sie den Bären erblickt, „ wo kommst du den auf einmal her?“
Sie bückt sich und hebt ihn hoch.
Aber das ist ja Herr Brummi!“
Dieser hatte nämlich einmal ein aufgerissenes Ohr und die Oma hat es geflickt und an dieser Naht erkannte sie ihn.
Sie nimmt ihn mit in die Stube und setzt ihn auf die Couch. Dann zieht sie ihren Mantel aus und wirft ihn achtlos über den Stuhl.
Einkaufen konnte sie später gehen.
Nachdenklich betrachtet sie den Bären.
Das wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben, wo du bisher warst und wieso du auf einmal vor meiner Tür sitzt. Schmutzig bist du und riechen kann man dich auch meilenweit.“
Sie hebt ihn auf und nimmt ihn mit ins Bad. Im
Waschbecken badet sie den Bären in einer duftenden Lauge, hüllt ihn in ein weiches Tuch und rubbelt ihn ab.
Dann setzt sie ihn in die Nähe der Heizung, greift nach ihrem Mantel und verlässt das Haus.
Als sie wieder kommt, hat sie einige Einkaufstüten dabei. Die Lebensmittel verstaut sie in der Küche und mit der einen kleineren Tüte kommt sie ins Wohnzimmer.
Weißt du was Herr Brummi, in einigen Tagen kommt der Nikolaus zu unseren kleinen Grete.
Ich werde dir eine hübsche Latzhose und einen Pullover stricken, dann gebe ich dich dem Nikolaus und der bringt dich zu Grete.“
Als ihr Schwiegersohn die Oma abholt, damit sie dabei ist, wenn der Nikolaus kommt, ist Herr
Brummi gut versteckt in ihrer Tasche.
Als der Hl Mann mit seinen Begleitern, den Engeln an der Tür klingelt, nimmt die Oma die Tasche die sie bisher nicht aus der Hand gelassen hatte und öffnet dem Nikolaus die Tür.
Mit einigen erklärenden Worten übergibt sie ihm dann die geheimnisvolle Tasche.
Grete sieht etwas ängstlich dem Hl. Nikolaus entgegen, denn so ganz rein ist ihr Gewissen nicht.
Aber als sie in das freundliche Gesicht sieht und er dann aus dem Buch vorliest, wobei sie seinen goldenen Stab halten darf, verschwindet ihre Angst.
Die Engel reichen ihr einige Süßigkeiten und Obst und der Hl Mann öffnet nun die Tasche und winkt das kleine Mädchen zu sich.
Vor einiger Zeit ist ein kleiner heimatloser Geselle zu mir gekommen, der unbedingt sein kleines Mädchen suchte, dass er verloren hatte.
Willst du ihm eine Heimat geben?“
Er zieht den hübsch gekleideten Herrn Brummi aus der Tasche und Grete quietscht vor Freude und drückt ihren verloren geglaubten Freund fest an sich.
Abends als das kleine Mädchen eingeschlafen ist, erzählt Herr Brummi ganz stolz seinem Freund dem Kasperle von seinen aufregenden Abenteuern.“

© Lore Platz



Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ein Weihnachtstraum

Ich lese gerne Märchen, doch manche Märchen sind sehr traurig, denn oft spiegeln sie die Zeit in der sie spielen wider, oder auch die Stimmung des Schreibers. 
Hans Christian Anders war ein depressiver Mensch und viele seiner Märchen sind sehr traurig.


 
Ein Weihnachtstraum


Die alte Frau sitzt in ihrem gemütlichen Sessel und beobachtet die dicken Schneeflocken. Beruhigend ist es das leichte Schweben der Flocken zu beobachten. Ruhe zieht in ihr Herz.
Leise öffnet sich die Tür und ihre Enkelin Steffi kommt ins Zimmer.
Schon zurück vom Schlittenfahren?“
Ja, es war soooo schön, aber nun bin müde und mich friert. Liest du mir eine Geschichte vor?“
Steffi klettert auf den Schoß und kuschelt sich an sie.
Die Oma nimmt das große Geschichtenbuch, das immer griffbereit auf einem kleinen Tischen neben ihr liegt und beginnt zu lesen.
Das Märchen von dem Mädchen mit den Schwefelhölzern.
Als sie die Geschichte zu Ende ist laufen große Tränen über Steffis Gesicht.
Das arme Mädchen, warum hat ihr denn niemand geholfen?“
Nun die meisten Menschen waren früher arm und die wenigen reichen hat es nicht gekümmert.“
Das war aber gemein!“
Die Mutter steckt den Kopf durch die Tür.
Wer will Kakao und Plätzchen.“
Ich!“ jubelt Steffi und für den Moment ist das arme
Mädchen vergessen.

Fest ihren Teddy an sich gedrückt kuschelt sich Steffi in die Kissen und ist bald eingeschlafen.

Steffi erwacht und sieht sich verwundert um. Sie befindet sich in einer fremden Stadt.
Viele Menschen hasten um sie herum und werfen ihr verwunderte Blicke zu. Seltsam sind diese Menschen gekleidet, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert.
Ein eisiger Wind saust durch die Straßen und sie ist froh, dass sie ihre dicke Daunenjacke und die warmen Pelzstiefel anhat
Tief zieht sie die Kapuze ins Gesicht, um sich vor den gierigen eisigen Fingern des Windes zu schützen.
Mit tief gesenktem Kopf eilt Steffi durch die Straßen, da sieht sie ein kleines Licht aufblitzen.
Sie folgt ihm in die enge Gasse und sieht ein kleines Mädchen, spärlich bekleidet mit nackten Füßen, das in der Ecke kauert und ein langes Streichholz hoch hebt.
Mit glücklichem Gesicht starrt es auf die graue zerbröckelte Mauer und streckt voll Wohlbehagen die nackten blau gefrorenen Füße aus.
Nun weiß Steffi wer das Mädchen ist. Es ist das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern und sieht gerade den warmen Kamin, an dem sie ihre Füße wärmen will.
Das Hölzchen erlischt und das Mädchen ist traurig.
Schnell zündet es ein neues Hölzchen an und schon
strahlen ihre Augen.
Steffi weiß, dass sie nun das warme Zimmer mit dem geschmückten Weihnachtsbaum sieht und sie will zu ihr eilen und sie in ihre warm Daunenjacke hüllen, doch ihre Füße sind wie festgewachsen.
Das Hölzchen erlischt und schnell leuchtet das nächste auf.
Das Mädchen aber beginnt zu strahlen und streckt sehnsüchtig die Arme aus.
Nun sieht sie ihre Großmutter und bald wird sie sterben,“ denkt Steffi und will zu dem Mädchen eilen.
Doch sie kann nicht.
Das Licht erlöscht und das Mädchen sinkt zurück und Steffi weint und weint und weint.

Steffi, Steffi wach auf, du hast einen Albtraum!“
Das Mädchen schlägt die Augen auf und sieht in das erschrockene Gesicht ihrer Mutter.
Die Mutter nimmt sie in die Arme und wiegt sie beruhigend.
Es dauert lange bis das Mädchen wieder eingeschlafen ist.

Am nächsten Morgen ist Steffi sehr blass und still.
Die Mutter und die Großmutter sehen sich besorgt an.
Und die Großmutter hat ein schlechtes Gewissen. Sie weiß doch wie empfindsam die kleine Steffi und hätte ihr niemals diese traurige Märchen vorlesen dürfen.

Nach dem Frühstück nimmt sie das Mädchen an der Hand und führt sie in ihr Zimmer
Dort setzt sie sich mit ihr in den Lehnstuhl und fragt leise.
Willst du mir deinen Traum erzählen?“
Und stockend beginnt die Kleine zu erzählen und wieder laufen ihr die Tränen über das Gesicht.
Behutsam wischt die Oma die Tränen ab und sagt leise.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern ist nur ein Märchen und Märchen kann man nicht verändern
Aber Hans Christian Andersen hat diese Geschichte geschrieben um die Menschen zum nachdenken anzuregen.
Wir sollen nicht achtlos an Menschen die in Not sind vorübergehen.
Wir sollen mit offenen Augen durch die Welt gehen und wenn jemand in Not ist, versuchen zu helfen.“

Steffi denkt lange über die Worte ihrer Großmutter nach und dann nimmt sich fest vor, immer mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

© Lore Platz



Samstag, 9. Dezember 2017

Lila - Luna , Anneliese und der Schmetterling im Weihnachtsbaum

Pünktlich zum zweiten Advent ist meine neue Weihnachtsgeschichte fertig.
Ich wünsche euch Morgen einen schönen gemütlichen besinnlichen zweiten Advent.
Und nun viel Spaß beim Lesen!

 




Lila-Luna, Anneliese und der Schmetterling im Weihnachtsbaum





Anneliese kehrt die letzten mit Reif überzogenen Blätter auf die Schaufel und leert sie in die Biotonne.
Bi-bi bist du endlich fertig?“
Anneliese sieht sich um und entdeckt Lila-Luna die beide Arme um sich geschlungen auf dem untersten Ast des Kirschbaumes sitzt.
Was machst du denn hier? Solltest du nicht schon längst unter der Erde zum Überwintern sein?
Ja, aber ich möchte diesmal bei dir überwintern, aber nun lass uns schnell hingehen, bevor ich erfriere.“
Wenig später sitzt die kleine Elfe neben dem Ofen und allmählich hört sie auf zu zittern.
Du hast mir soviel letztes Jahr von dem Weihnachtsfest erzählt, dass ich auch einmal eines erleben möchte. Die Elfenkönigin hat es erlaubt, besonders weil du ihr letztes Jahr das Leben gerettet hast. Nur meinen Zauberstab durfte ich nicht mitnehmen, da sie nicht eingreifen kann wenn ich mal wieder einen Fehler mache.“
Anneliese lacht. „Ist auch besser so, du würdest uns bestimmt in eine Klemme bringen.“
Naja,“ dann muss die kleine Elfe aber auch lachen.
Das Telefon klingelt.
Hallo Süße,“ hört sie ihre Mutter. „Bei uns ist der Teufel los, wir haben einige Notfälle herein bekommen und ich kann nicht früher nach Hause
gehen.“
Aber wir wollten doch heute zusammen in die Stadt fahren,“ meint Anneliese traurig.
Morgen habe ich frei, dann holen wir es nach.“
Wann kommst du nach Hause.“
Es kann spät werden.“
Okay, dann bis heute Abend.“ Anneliese legt den Hörer auf.
Was ist los?“ fragt Lila-Luna, als sie das traurige Gesicht ihrer Freundin sieht.
Mama kommt erst heute Abend nach Hause und wir wollten doch in die Stadt.“
Warum gehen wir nicht zusammen.“
Das ist eine gute Idee, dann kann ich auch gleich Mamas Weihnachtsgeschenk besorgen.“
Was willst du denn deiner Mama schenken?“
Den neuesten Krimi von J:D:Robb.“
Hast du denn Geld?“ fragte die kleine Elfe, die wusste, dass ihre Freundin und deren Mutter nicht sehr reich waren.
Ja, in den Sommerferien war ich doch bei meinem Papa und der hat mir zum Abschied 50 € gegeben und die habe ich aufgehoben.“
Magst du jetzt deinen Papa wieder?“
Ja, am Anfang war ich ja schrecklich wütend auf ihn, weil er uns verlassen hat, aber nun ist soviel Zeit vergangen. Seine neue Frau ist eigentlich ganz nett und ich habe zwei Halbgeschwister. Zwillinge Paul und Paula.“
Und deine Mama?“
Die ist auch darüber hinweg. Sie hat mir mal erzählt. Papa und sie hätten viel zu jung geheiratet und dann sich auseinander gelebt. Mama liebt ihren
Beruf als Krankenschwester und ist zufrieden,doch nun lass uns in die Stadt fahren.“
Anneliese zieht sich warm an und lässt die kleine Elfe unter ihre Wollmütze schlüpfen.
Anfangs hielt sie das für eine gute Idee, doch schnell bereute sie es. Während der Busfahrt war es noch ruhig unter ihrer Mütze, aber sobald sie in der Stadt waren, krabbelte Lila-Luna von einer Seite auf die andere, denn es gab soviel zu sehen.
Gib endlich Ruhe!“ zischt Anneliese und geht mit schnellen Schritten in das nächste Kaufhaus direkt in die Spielzeugabteilung. Bald hat sie gefunden was sie gesucht hat. Sie bezahlt an der Kasse und geht zu den Damentoiletten. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass die Kabinen leer sind, zieht sie die Mütze vom Kopf und die Elfe setzt sich auf das Waschbecken. Anneliese fährt mit der Bürste kräftig durch ihre Haare.
Ich fühle mich, als wäre eine Kompanie Ameisen über meinen Kopf gewandert.“ brummt sie.
Dann öffnet sie die kleine Geschenkschachtel und hilft der Elfe in den roten warmen Mantel.
Entzückend sah sie aus in dem bodenlangen Mantel mit Kapuze. Wie eine kleine Puppe.
Lila-Luna schlägt begeistert die Hände zusammen, als Anneliese sie hochhebt und sie sich im Spiegel sieht.
So nun kannst du in meine Manteltasche kriechen und viel besser sehen.“
In der Buchabteilung hat Anneliese bald das Buch für ihre Mutter gefunden, das auf dem Tisch für Neuerscheinungen liegt.
Auch ein dickes Geschichtenbuch, hübsch illustriert, liegt auf dem Tisch und Anneliese blättert darin.
Gefällt es dir, ich könnte es dir in deine Tasche zaubern?“
Welch ein Glück, dass du deinen Zauberstab nicht hast, du würdest mich ganz schön in die Klemme bringen, denn sie würden mich als Dieb verhaften.“
Ach ja, habe ich ja ganz vergessen,“ seufzt die Elfe, „ Dabei wollte ich dir doch eine Freude machen.“
Anneliese grinst nur und geht an die Kasse.
Sie bummelt nun durch die Stadt und beantwortet Lila-Lunas unermüdliche Fragen.




Erklärt ihr, warum der Weihnachtsbaum aufgestellt war und was die vielen Holzbuden darum bedeuten.
Die kleine Elfe quiekt vor Freude, als ihr Anneliese berichtet, dass sie Morgen Abend mit ihrer Mutter auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Zuhause macht Anneliese für sie beide einen Kakao den Lila -Luna aus einen Fingerhut trinkt und gar nicht genug bekommen kann.
Später kommt die Mutter nach Hause, todmüde und Anneliese umsorgt sie. Die Elfe ab versteckt sich ganz oben auf dem Schrank.
Später schläft sie dann mit Anneliese im Bett, auf dem Kopfkissen.
Am nächsten Tag ist Samstag und die Mutter hat frei. Sie schläft sehr lange und Anneliese und ihre kleine Freundin bereiten dann Frühstück.
Als die Mutter noch etwas verschlafen in die Küche taumelt verschwindet die Elfe schnell wieder auf den Schrank.
Abends darf sie dann wieder in ihr hübsches Mäntelchen schlüpfen und die drei machen sich auf den Weg in die Stadt zum Weihnachtsmarkt.
Lila-Luna kommt aus dem Staunen nicht heraus. All diese Lichter und Sterne. Was gab es auch alles zu sehen. Lebkuchen und alle Arten von Süßigkeiten, Kugeln in allen Farben, Glöckchen, Krippenfiguren
und vieles mehr.



Plötzlich bleibt die Mutter stehen und hebt eine Schneekugel hoch. „Genauso eine hatte ich als Kind, das es die heute noch gibt.“

Was wurde aus deiner Kugel?“ will Anneliese wissen.
Ich weiß nicht, aber irgendwie ist sie verloren gegangen.“
Bedauernd legt ihre Mutter die Kugel zurück, für sie war dies Luxus.
Sie gehen weiter,dann ruft Anneliese.
Ich habe meinen Handschuh verloren.“
Gut wir treffen uns am Würstelstand.“
Das Mädchen läuft zurück.
Da hast doch deinen Handschuh eben in die Manteltasche gesteckt.?“
Ja aber ich brauchte doch eine Ausrede, denn ich möchte die Schneekugel für meine Mama kaufen.“
Oh, noch ein Weihnachtsgeschenk.“
Anneliese gibt keine Antwort, denn sie haben nun den Stand erreicht. Bald ist die Kugel hübsch verpackt in ihrer Tasche.
Ihre Mutter wartet an der Imbissbude und nachdem sie genüsslich eine Bratwurst verspeist haben und einen alkoholfreien Glühwein getrunken, gehen sie
zum Bus.
Am nächsten Tag ist der zweite Advent und Lila-Luna staunt, als Anneliese mitten auf den Tisch einen Adventskranz stellt und zwei Kerzen anzündet.
Als die Mutter in die Küche kommt verschwindet die kleine Elfe wieder auf dem Schrank und sieht mit glücklichen Augen hinunter. Nein sie hat es nicht bereut, dass sie diesen Winter bei ihrer Freundin verbringt. So viel schönes hat sie nun schon erlebt.
Später backen Anneliese und ihre Mutter und ein herrlicher Duft zieht durch die Küche.
Abends als die beiden Freundinnen in Annelieses Zimmer sind darf Lila-Luna ein Plätzchen probieren.
Die Elfe ist etwas traurig, sie wollte doch auch so gerne Plätzchen backen. Doch Anneliese
verspricht ihr morgen wenn die Mutter in der Arbeit ist, mit ihr zu backen.
Vor Aufregung kann Lila-Luna kaum schlafen und sobald Anneliese aus der Schule komm drängt sie ihre Freundin nun endlich mit dem Backen anzufangen.
Gutmütig holt diese die Schüssel aus dem Schrank und was sie sonst noch brauchen.
Die Beiden haben viel Spaß zusammen und albern und kichern. Die Elfe wäre beinahe einmal in den Teig geplumpst, wenn Anneliese sie nicht geistesgegenwärtig davor bewahrt hätte.
Aber trotzdem füllten sie eine Dose nach der anderen mit Plätzchen.
Eine davon ist für die alte Kräuterfrau bestimmt, die damals der Elfenkönigin geholfen hatte und die Anneliese seitdem immer wieder einmal besucht.
Die alte Frau lebt ganz allein in einem Häuschen am Rande des Waldes und würde auch Weihnachten allen sein. Anneliese will sie am HL. Abend besuchen und ihr ein Geschenk und die Plätzchen vorbei bringen.
Die Tage vergehen sehr schnell und die beiden Freundinnen haben viel Spaß zusammen.




Während das Mädchen in der Schule ist sitzt die Elfe meistens am Fenster und beobachtet wie der Schnee in dicken Flocken vom Himmel fällt.
Auch den Vögeln, die sich am Futterhäuschen tummeln sieht sie so gern zu.
Trotzdem freut sie sich, wenn Anneliese endlich von der Schule nach Hause kommt.
Einmal fahren sie noch miteinander in die Stadt und das Mädchen kauft in der besten Konditorei Pralinen für ihre Mutter, die diese so gerne aß.
Dann entdeckt sie in einem Schaufenster kleine Jutensäckchen.
Sie nur, das wäre ein Geschenk für die Kräuterfrau.“
Anneliese kauft fünf Stück und noch einen Bogen mit leeren Aufklebern.
Nun habe ich alle Geschenke.“
Dann kannst du doch für dich das Buch kaufen.“
Nein, dazu reicht das Geld nicht mehr.“




Zwei Tage vor Weihnachten wird von der Gärtnerei der Baum geliefert und der Gärtner ist sogar so nett, ihn aufzustellen.
Lila-Luna fühlt sich als wäre sie im Wald.
Sie ist ein bisschen traurig, weil Anneliese mit ihrer Mutter am Abend den Baum schmücken will. Doch das Mädchen verspricht ihr, dass sie dafür am nächsten das Lametta aufhängen darf.
Bei fröhlicher Weihnachtsmusik, bei der sie vergnügt mitsingen schmücken Anneliese und ihre Mutter den Baum.
Lila-Luna hat sich auf die Vorhangstange gesetzt und betrachtet fasziniert das Geschehen. Dabei kann sie keinen Moment stillsitzen und fliegt immer wieder von der Vorhangstange zum Schrank und zurück.
Plötzlich schüttelt die Mutter den Kopf uns sieht sich im Zimmer um.
Hast du das auch gesehen. Ich glaube wir haben einen Schmetterling im Zimmer.“
Anneliese lacht etwas gekünstelt.
Ach Mama, da hast du dich getäuscht.“



Achselzuckend nimmt die Mutter die nächste Kugel und hängt sie an den Baum.
Als sie dann das Lametta im Karton sucht, nimmt Anneliese sie am Arm und führt sie zum Sofa.
Das mache ich Morgen, gleich fängt auch der Weihnachtsfilm an. Ich mache uns nur schnell einen Kakao.“

Am nächsten Tag, während Anneliese in der Schule und die Mutter im Krankenhaus, fliegt die kleine Elfe immer wieder staunend um den geschmückten Baum herum.
Dann setzt sie sich neben die Krippe und betrachtet das kleine Kind, das so lieblich lächelt und von dem ihr Anneliese soviel erzählt hat.
Weihnachten hat viel mit Liebe zu tun, das durch die Geburt diesen Kindes wieder in die Welt gekommen ist. Und deshalb beschenken sich auch die Menschen um einander zu zeigen wie lieb sie sich haben.
Auch Lila-Luna hat sich ein Geschenk für ihre Freundin ausgedacht und hofft so sehr, dass es geklappt hat.
Als Anneliese aus der Schule kommt ruft sie überglücklich.
Wir haben Ferien!“
Wollen wir jetzt das Lametta auf dem Baum verteilen.“
Anneliese lacht.
Nun lass uns erst mal essen.“
In dem Moment klingelt es.
Der Postbote drückt ihr ein großes Paket in die Hand.
Von Papa,“ ruft das Mädchen überrascht. Sie unterschreibt den Zettel und stellt das Paket in den Flur.
Willst du es denn nicht aufmachen!“
Lila-Luna ist aufgeregter als ihr Freundin.
Diese lacht. „Das macht Mama heute Abend. Sie legt die Geschenke unter den Weihnachtsbaum.“
Ach das dauert doch soooo lange!“

Am nächsten Morgen weckt die Elfe das Mädchen schon ziemlich früh, sie selbst hat vor Aufregung kaum geschlafen.
Obwohl Anneliese noch müde ist steht sie doch auf, denn sie versteht die kleine Freundin und deren Aufregung.
Ist es doch Lila - Lunas erstes Weihnachtsfest.
Leise schleichen sie in die Küche, um die Mutter nicht zu wecken und bei Kakao und Plätzchen erzählt Anneliese von vergangenen Weihnachten, als sie noch ein kleines Kind war und ihr Vater noch bei ihnen war.
Die Elfe fliegt schnell auf den Schrank als die Mutter in die Küche kommt.
Diese schüttelt den Kopf.
Ich glaube ich habe schon wieder den Schmetterling gesehen.“
Anneliese senkt den Kopf und grinst.
Später gehen die beiden Freundinnen zu der alten Kräuterfrau.
Über Nacht hat es geschneit und es ist wunderschön durch den schneebedeckten Wald zu wandern.
Noch schöner aber ist die Freude der alten Frau über die Geschenke.



Und dann ist es endlich soweit!
Lila-Luna kann sich gar nicht sattsehen an dem leuchtendem Baum. Im Hintergrund ist leise Weihnachtsmusik zu hören.
Die Mutter freut sich so sehr über die Geschenke, besonders über die Schneekugel und immer wieder umarmt sie ihre Tochter.
Doch Anneliese staunt als sie die Geschenke ihres Vaters aufmacht. Neben Winterstiefeln, einem Mantel, sogar einem Muff, ist auch das von ihr so sehr gewünschte Geschichtenbuch.
Sie wirft einen fragenden Blick zu Lila-Luna, die vergnügt grinst und dann ganz nach oben auf den Weihnachtsbaum fliegt und sich direkt neben den Engel sitzt.
Die Mutter ruft.
Ich hatte doch Recht, sieh mal da oben auf dem Weihnachtsbaum sitzt ein Schmetterling.



Später als die beiden Freundinnen in Annelieses Zimmer sind fragt diese:
Hast du etwas mit dem Buch zu tun?“
Die Elfe nickt heftig.
Ich habe einen der Vögel die am Futterhäuschen sind zur Elfenkönigin geschickt und sie gebeten einen Telepathie -zauber zu deinem Vater zu schicken.“
Anneliese schüttelt staunend den Kopf.
Dann ist das Buch eigentlich ein Geschenk von dir und ich habe gar nichts für dich.“
Du hast mir doch den schönen Mantel und die wunderbare Zeit die wir zusammen verbringen geschenkt.
Hast du nicht gesagt :
Weihnachten bedeutet Liebe und füreinander da zu sein?“


© Lore Platz