Freitag, 15. September 2017

Hermann und Herminchen finden eine neue Heimat





Es ist wieder mal soweit. 
Reizworttag!  
Und meine Freude am Schreiben ist wieder zurück gekommen und das habe ich vor allem meiner lieben Freundin Regina zu verdanken. Danke!


Folgende Reizwörter waren in der Geschichte unterzubringen:
Herbstzeitlose - Krabbenkutter - zählen - wälzen - ernsthaft.






Hermann und Herminchen finden eine neue Heimat



Zwei Mädchen radeln fröhlich singend den breiten Feldweg entlang am Ufer des breiten Flusses, auf dem ein alter Krabbenkutter langsam tuckert.
Der Kapitän ruft ihnen einen Gruß hinüber und die Mädchen winken lachend.
Sie benutzten den letzten schönen Septembertag, um mit dem Rad von der Stadt zu ihren Großeltern zu fahren.
Vorbei an einer Wiese, auf der in verschwenderischer Pracht sich lila Herbstzeitlosen ausbreiten, biegen sie nun in die Dorfstraße ein.
Ein Stück führt sie der Weg noch durch den Wald und dann haben sie das freundliche kleine Haus von Oma und Opa erreicht.
Oma Schinkel tritt vor die Tür und begrüßt sie überrascht.
Oma wir durften mit dem Rad zu euch fahren und Papa holt uns nach den Herbstferien ab. Wir müssen nur Mama anrufen und ihr sagen, dass wir gut angekommen sind. Du weißt ja sie sorgt sich immer.“ ruft Susanne.
Na , dann bringt mal die Räder in den Schuppen, ihr könnt auch Hermann und Herminchen gleich
begrüßen. Ich will mal eurer Mutter Bescheid sagen.“
Die Mädchen schieben die Räder in den Schuppen, dann klopfen sie an die Tür der Trolle.
Hermann öffnet und strahlt, als er die beiden Langhaare erkennt.
Er bittet sie herein und die Mädchen erzählen, dass sie eine ganze Woche hier bleiben würden und dann viel mit den Trollen unternehmen wollen.
Renate fällt auf, dass Herminchen sich kaum am Gespräch beteiligt und nur traurig aus dem Fenster schaut.
Was ist denn mit Herminchen los,“ fragt sie leise Hermann. Dieser runzelt ärgerlich die Stirn.
Sie will ausziehen!“
Ja, seht euch doch um, seit mein Bett hier ist, hat man kaum noch Platz und ich will nicht, dass Hermann sich wegen mir so einschränken muss. Ich suche mir im Wald einen Baum.“
Die Mädchen sehen sich um, es ist tatsächlich ziemlich eng, beide Betten füllen fast das ganze Zimmer.
Wisst ihr was, wir werden mit Opa darüber sprechen.“
Hermann strahlt, der Mann ohne Haare würde bestimmt einen Ausweg finden.
Die Mädchen laufen ins Haus, wo Oma schon mit Kakao und Zwetschgenkuchen wartet.
Doch immer wieder sehen sie ungeduldig zur Tür.
Wann kommt denn Opa endlich.“ wollen sie wissen.
Das weiß ich nicht, er hat einen Brief vom Amtsgericht bekommen und musste in die Stadt.“
Endlich öffnet sich die Tür und der Opa betritt mit vergnügtem Gesicht die Küche.
Jubelnd hängen sich die Mädchen an seinen Hals.
Opa, Opa wir müssen etwas ganz wichtiges mit dir besprechen.“
Nur langsam Deerns, bringt mich nicht um, ich habe auch etwas tolles zu berichten, aber nun lasst mich erst mal einen Kaffee trinken und Omas leckeren Zwetschgenkuchen versuchen.“
Etwas ungeduldig warten die Mädchen, doch kaum hat Opa die Kuchengabel abgelegt, sprudeln sie schon mit ihrer Neuigkeit heraus.
Soso die Trolle haben es ein bisschen eng, habe ich mir schon gedacht und mir so meine Gedanken gemacht und bevor wir nun Probleme wälzen, lasst mich erst mal erzählen, warum ich im Amtsgericht war.“
Vergnügt sieht er in die erwartungsvollen Gesichter.
Ich habe geerbt!“
Was, du verkohlst uns!“ rufen die Mädchen.
Doch Opa macht nun ein ganz ernsthaftes Gesicht und sieht hinüber zu Oma, die etwas blass aussieht.
Lasst euch berichten. Ein Vetter von mir ist nach dem Krieg nach Amerika ausgewandert. Er hatte hier in der Nähe einen kleinen Bauernhof. Das Gebäude war zerstört, die Felder verwüstet und die Tiere gestohlen. Also verkaufte er das Land und buchte sich damit eine Reise nach Übersee, um dort sein Glück zu versuchen. Das einzige was er behielt waren ein paar Hektar Wald und er bat mich ab und zu danach zu sehen. Wir blieben noch eine Zeitlang in Verbindung, dann hörte ich nichts mehr von ihm.“
Juchhuu und jetzt ist er Millionär und hat dir alles vermacht!“ jubelt Susanne, mit der mal wieder die Fantasie durchgeht.
Nein, meine Kleine,“ lächelt der Großvater, „ Franz blieb sein Leben lang ein armer Mann. Er arbeitete auf einer Ranch bis zu seinem Tod.“
Susanne zieht eine enttäuschte Schnute.
Was hat er dir dann vermacht. Seinen Sattel und Cowboyhut?“
Renate und die Oma tauschen einen strahlenden Blick, sie wissen, was jetzt kommt.
Und schon sagt Opa Schinkel.
Er hat mir das Stück Wald vermacht, das wir jetzt gerade gut gebrauchen können.“
Susanne starrt ihn mit offenen Mund an.“Warum?“
Oma und Renate lachen und auch der Opa schmunzelt.
Mei Deern, errätst du es nicht. Weil Hermann und Herminchen eine neue Heimat haben, aus der sie niemand vertreiben kann.“
Au verflixt, das stimmt. Wollen wir gleich in den Wald gehen?“
Nein, dazu ist es zu spät, es wird bald dunkel und auch den Trollen werden wir nichts davon sagen. Morgen nach dem Frühstück werden wir alle gemeinsam gehen,“ bestimmt der Opa.
Am nächsten Morgen machen sich die Fünf auf den Weg, nur die Oma bleibt zu Hause, weil ihr der Weg zu beschwerlich ist. Aber Opa verspricht ihr, sie mit dem Auto einmal hinzufahren.
Die beiden Trolle sind vollkommen ahnungslos und Susanne presst fest die Lippen zusammen um sich
nicht zu verraten.
Staunend sehen sie sich im Wald um, schön ist es hier, die Büsche sind ein wenig dicht zusammen gewachsen, aber das ist doch gut.
Wie staunen Hermann und Herminchen, als ihnen der Mann ohne Haare erklärt, dass dies ihre neue Heimat ist und da der Wald ihm gehört, sie niemand daraus vertreiben kann und auch keine Bäume gefällt werden. Sie können sich nun jeden Baum aussuchen, der ihnen gefällt und unter dem sie wohnen wollen.
Bewegungslos stehen die Trolle da, doch dann lachen sie plötzlich los, fassen sich an den Händen und laufen durch den Wald.
Lächelnd sehen sich der Opa und die Mädchen an.
Bald kann der Umzug beginnen.

(Lore Platz)

Fortsetzung folgt





Samstag, 9. September 2017

Ich mache mir manchmal Gedanken





über die seltsamsten Dinge. Diesmal ist es ein Wort aus der deutschen Sprache, das eine gegensätzlich Bedeutung im Laufe der Jahre bekam.
Sicher ist euch bekannt was eine Domina ist, hat keinen guten Klang dieses Wort.
Ich lese gerne historische Romane. Diesmal spielt die Geschichte Anfang  des 19.Jhderts kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs.
Während ich voll Spannung der Handlung folgte stolperte ich über das Wort Domina.
Was hatte Domina in dieser Sittenstrengen Zeit verloren?
Ein paar Seiten später wusste ich es.
Früher gab es für unverheiratete meist adelige ältere Fräuleins ein Stift, in dem sie unterkamen.
Und die Stiftleiterin hatte den Titel Domina.
So ändert sich unsere Sprache aus einem ehrbaren Beruf wurde ein weniger ehrbarer.
Ich wünsche euch augenzwinkernd ein schönes Wochende.
 

Donnerstag, 7. September 2017

Er ist da




Unser neuer Blog. 

Regina und ich haben ein Experiment gestartet und zusammen eine Geschichte geschrieben.
Jeweils ein Zeile musste jeder schreiben und wir wussten nicht was aus der Geschichte wird und unsere erste Geschichte wurde ein kleiner Krimi.
Es hat sehr viel Spaß gemacht, vor allem weil sich die Geschichte erst im Laufe der Zeit entwickelte und für beide eine Überraschung war.
Nun wollen wir auch euch teilhaben lassen und haben einen gemeinsamen Blog geschaffen:
Zwei Autoren - Eine Geschichte.

Blog 
https://autorenteam.blogspot.de/2017/09/jugendsunden.html
 
 Wir würden uns freuen, wenn ihr mal vorbeischaut und wünschen viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 1. September 2017

Die böse Stiefmutter

Es ist wieder soweit und ich habe diesmal tatsächlich eine Geschichte für Euch.
Viel Spaß beim Lesen!


 
Junggesellenabschied - Wasserbett - toben - helfen - bedenklich






Die böse Stiefmutter


Jutta blättert in dem Katalog und ruft begeistert:
Sieh mal Angie, dieses Wasserbett ist doch toll wäre das nichts für euch!“
Ihre Schwester verzieht das Gesicht und fragt dann misstrauisch, „Sag mal was habt ihr eigentlich für meinen Junggesellenabend geplant, doch nicht einen …?“
Nein, nein, wird alles ganz brav wie es sich für meine ach so liebe brave Schwester schickt, die einen Witwer mit Kind heiratet.“ kichert Jutta.
Doch dann wird sie ernst als sie den Schatten auf dem Gesicht ihrer Schwester bemerkt,
Ach Jutta, ich habe so eine Angst,“ flüstert Angelika.
Aber warum, Harald liebt dich.“
Cilli aber mag mich nicht!“
Wie kann sie dich nicht mögen!“ ruft Jutta empört,
du kannst es doch so gut mit Kindern, meine zwei lieben dich. Manchmal könnte ich richtig eifersüchtig werden, wenn es den ganzen Tag heißt,Tante Angie,
hier, Tante Angie.“
Diese lässt den Kopf sinken.
Ich komme einfach nicht ran an das Mädchen. Sie sieht mich nur immer an und es kommt mir vor, als hätte sie Angst vor mir.“
Die Tür öffnet sich und zwei Kinder stürmen herein und werfen sich ihrer geliebten Tante in die Arme.
Liebevoll betrachtet Angie ihren zehnjährigen Neffen Michael und die achtjährige Silvia.
Wenn doch ihre Stieftochter auch so unkompliziert wäre.

Nach einer kleinen Hochzeitsreise in Italien brachte Harald seine junge Frau in sein schönes Haus und zusammen richteten sie für Cilly ein hübsches Zimmer ein und an seinem letzten Urlaubstag holten sie gemeinsam die Tochter bei ihrer Oma ab.
War das ein herzzerreißender Abschied. Schluchzend klammerte sich das kleine Mädchen an die Oma, bis ihr Vater ein Machtwort sprach.
Beim Abschied bat er die alte Frau leise, die Enkelin vorerst nicht zu besuchen, bis sich eingewöhnt hätte.
Den hasserfüllten Blick, den ihr diese daraufhin zuwarf, verursachte Angie eine Gänsehaut.
Cilly aber war brav, ruhig und sprach kaum ein Wort, soviel Mühe sie sich auch gab. Nur wenn ihre Mutter ihr mit dem Kamm die Haare kämen wollte, dann begann sie panisch zu schreien und schütze mit beiden Händen ihren Kopf.
Schließlich übernahm Harald das Kämmen seiner
Tochter, brachte sie dann in den Kindergarten, bevor er anschließend in sein Büro weiterfuhr.
So vergingen die Tage und Angelika wurde immer
verzagter. Tröstend nahm Ihr Mann sie dann in die
Arme.
Lass ihr Zeit zum eingewöhnen, sie wohnte schließlich seit dem Tod ihrer Mutter fast zwei Jahre bei der Oma.“
Angie schmiegte sich dann an ihren Mann, aber das Herz war ihr doch schwer.
Sie sprach mit ihrer Schwester Jutta darüber ,in der Hoffnung, dass diese ihr helfen konnte.
Jutta hatte tatsächlich eine Idee.
Es waren doch bald Ferien und sie sollte Michael und Silvia doch einladen, die würden sich sicher freuen und wenn sie in dem großen Garten zelten durften würden sie gar nicht weggehen wollen.
Jutta kicherte und meinte: „Außerdem kannst du deiner Schwester einen großen Gefallen tun, denn auch ich brauche mal ein wenig Ruhe.“
Natürlich freuten sich die Kinder und gleich wurde ein großes Zelt im Garten aufgebaut.
Cilly war am Anfang noch schüchtern, doch bald schloss sie sich den Kindern an, besonders Michael hatte es ihr angetan und sie folgte ihm auf Schritt und Tritt.

Angelika kommt gerade vom Wochenmarkt und als sie das fröhliche Toben im Garten hört, lächelt sie glücklich. Cilly war wirklich aufgetaut, auch wenn sie ihr gegenüber noch immer scheu war.

Die drei kommen auf sie zugelaufen und Michael, der ständig Hunger hat, späht in den Korb.
Angelika lacht und wählt einen besonders schönen Apfel aus und reicht ihn dem Jungen.
Cilly schreit gellend auf und schlägt ihm den Apfel aus der Hand.
Du darfst ihn nicht essen, der ist vergiftet!“
Dann läuft sie weinend davon.
Erschrocken sehen die anderen ihr nach.
Michael aber wendete sich an die Tante.
Bitte Tante Angie, geh mit Silvia ins Haus, ich kümmere mich um Cilly.“
Niedergeschlagen nickt diese , denn sie weiß, sie kann die Dinge unbedenklich in des Jungen Hand legen. Zu Michael hat die Kleine am meisten vertrauen.
Dieser findet Cilly im Zelt. Sie kauert in der Ecke, die
Arme um sich geschlungen und zittert am ganzen Körper.
Still setzt der Junge sich neben sie.
Das kleine Mädchen hebt das verweinte Gesicht und betrachtet ihn ängstlich, dann atmet sie erleichtert auf.
Dir ist nichts passiert!“
Warum glaubst du, dass der Apfel vergiftet ist?“
Weil deine Tante eine böse Stiefmutter ist und Äpfel und Kämme vergiftet.“
Wie kommst du auf diese dumme Idee?“
Das steht in dem Märchen, das mir Oma immer vorliest.“
Das Märchen von Schneewittchen?“
Ja, so heißt es!“
Aber es ist doch nur eine Geschichte, die mit dem wirklichen Leben gar nichts zu tun hat.“
Doch, denn Oma sagt auch alle Stiefmütter sind böse, denn sie wollen die Kinder los werden, damit sie den Papa ganz für sich ganz allein haben.“
Michael runzelt die Stirn.
Silvia und ich haben unsere Tante sehr lieb, glaubst du wir würden sie lieb haben, wenn sie ein böser Mensch wäre?“
Cilly denkt lange nach, dann hebt sie zögernd den Kopf.
Du meinst sie ist keine böse Stiefmutter.“
Ganz bestimmt nicht und als dein Vater ihr erzählt hat, dass er ein kleines Mädchen hat, da hat sie sich so gefreut, denn sie liebt Kinder sehr. Du weißt, dass ich dich nicht anlüge. Komm mit und hab Vertrauen.
Tante Angie tut es sehr weh, dass du so abweisend bist.“
Er zieht sie hoch und gemeinsam laufen sie ins Haus.
Als Cilly später ihm Bett liegt, erzählt der Junge ihnen was er erfahren hat und Harald geht noch am selben Abend zu seiner Schwiegermutter und stellt sie zur Rede. Dann verbietet er ihr die Kleine gegen die neue Mutter aufzuhetzen, sonst würde er ihr den Umgang gänzlich einstellen.
Das will die alte Frau nicht und sie reißt sich in Zukunft zusammen.

Und Cilly, als wäre eine schwere Last von ihr gefallen, wurde immer zutraulicher.
Und der schönste Tag für Angelika war, als ihr das Mädchen eines Tages um den Hals fiel und 'Mama' sagte.

(Lore Platz)








Mittwoch, 23. August 2017

Nur ein wenig plaudern

Heute möchte ich euch eine Schildkröte vorstellen sie lebt in Kuba im Zoo und darf dort frei herum laufen. 
Eines meiner ehemaligen Tageskinder war in Kube zu einer Hochzeit eingeladen und während ihres Aufenthaltes in diesem Land, besuchte sich auch einen Zoo und als sie dann so durch das Gehege spazierte, wurde sie von der Schildkröte, die wohl einen Narren an ihr gefressen hatte, verfolgt.

Darf ich vorstellen
 
 

Dienstag, 15. August 2017

Keine Reizwortgeschichte






Da die letzen zwei Wochen meine Tochter bei mir war, kam ich nicht zum schreiben.
Seit gestern ist sie nun wieder in Berlin, denn ihr Urlaub ist vorbei und der Alltag hat sie wieder.
Gerade weil wir uns so selten sehen können, genießen wir unser Beisammensein ganz besonders.

Aber bestimmt haben meine lieben Mitschreiberinnen zu den Wörtern

Kartoffelsalat – Treppenstufe – verschwinden – öde – glühend

schöne Geschichten, wie ihr sie gewohnt seid, geschrieben.

Viel Spaß beim Lesen bei



Da heute bei uns Feiertag ist, bekomme ich gleich lieben Besuch.
Wünsche euch einen schönen Tag

Dienstag, 1. August 2017

Hermann und Herminchen

Nun ist bereits der 1. August und der Sommer hat bald seinen Höhepunkt erreicht und dann dauerte es nicht lange bis die ersten Lebkuchen in den Geschäften auftauchen.
"Kinder wie die Zeit vergeht" hieß es in einem Lied aus den dreißigern, dem kann mich nur anschließen.
Aber heute geht es ja um unsere Reinzwortgeschichten und zwar um die Wörter:
Amtsschimmel, Schreck, salzig, vergessen, überlegen



Hermann und Herminchen


Keuchend läuft die kleine dralle Gestalt den Feldweg entlang, verfolgt von einer Schar johlender Kinder. Wieder trifft sie ein Stein an der Schulter und sie zuckt zusammen.
Wenn sie nur endlich den schützenden Wald erreichen würde.
Plötzlich ein Rauschen in der Luft, die kleine Gestalt wird von zwei Krallen gepackt.
Ein mehrstimmiger Wutschrei ertönt und enttäuscht sehen die aufgebrachten Kinder der entschwindenden Gestalt nach.
Dem kleinen Geschöpf aber wird vor Schreck schwindelig, als sie jetzt durch den Wald rauscht und schließlich auf einen Ast plumpst.
Mit geschlossen Augen liegt es mitten in den Blättern und seine Brust hebt und senkt sich.
He, du bist in Sicherheit,“ knarrt eine
Stimme , „ du kannst also die Augen ruhig wieder aufmachen, Herminchen.“
Diese richtet sich auf. „Du kennst mich!“
Ja, sicher, du bist Herminchen, die einzige Trollfrau, die der Vernichtung der Trolle durch den Feenkönig entgangen ist.“
Das Trollmädchen nickt traurig,
Besser wäre es gewesen, ich wäre damals auch umgekommen.“
Dicke Tränen laufen über ihr Gesicht.
Was für ein Unsinn, sei froh, dass du lebst!“
Herminchen wischt mit beiden Händen die salzigen Tränen ab und hinterlässt eine Schmutzspur auf den Wangen.
Warum, wohin ich komme erschrecken die Menschen oder jagen mich. Sicher meine Eltern und Brüder waren auch nicht nett zu mir aber wenigstens hatte ich eine Familie und war nicht so allein.“
Traurig sieht sie vor sich hin und lächelt auf einmal.
Der Einzige der nett zu mir war, ist Hermann gewesen, aber der lebt ja auch nicht mehr.“
Wer sagt denn das, Hermann lebt.“ schmunzelt die Eule.
Mit großen Augen sieht das Mädchen den Vogel an. „Weißt du wo er ist?“
Ja, aber nicht jetzt. Ich muss schlafen, denn das Geschrei hat mich aufgeweckt, zu deinem Glück. Und wenn ich dir raten darf, sollst du dich auch ausruhen. Du kannst zu mir in meine Höhle kommen. Wir werden uns heute Nacht auf den Weg machen.“
Die Eule schlüpft in ihre Baumhöhle. Herminchen aber bleibt noch eine Weile sinnend auf dem Ast sitzen, dann klettert auch sie durch das runde Loch, sucht sich ein gemütliches Plätzchen und ist bald eingeschlafen.

Himmeldonnerwetter, da hat der Amtsschimmel ja mal wieder laut gewiehert!“
poltert Opa Schinkel und fährt sich über seine Glatze. Renate und Susanne, die gerade bei ihren Großeltern zu Besuch sind, kichern.
Die Oma aber, die den Braten aus dem Ofen holt, verdreht nur genervt die Augen.
Hört euch das bloß an, eine EU-Verordnung bestimmt wie stark eine verkaufsfähige Gurke gekrümmt sein darf. Jetzt wollen die dem Gemüse schon vorschreiben wie es wachsen soll.“
Ja,ja nur reg dich ab, ich habe schon längst aufgehört mich zu wundern was in den Köpfen da Oben vorgeht. Leg die Zeitung weg, die Kinder wollen den Tisch decken.“
Opa grummelt noch ein wenig, doch dann
lenkt ihn das lecker Essen ab.
Während sie ihren Schokoladenpudding löffelt will Susanne wissen, was ein Amtsschimmel
ist.
Der Opa erklärt nun den aufmerksam lauschenden Kindern, dass früher die Bekanntmachungen durch berittene Amtsboten
überbracht wurden. Natürlich waren das nicht nur Schimmel. Dieses Wort stammt vielmehr von der „Simile“ einem Standard-Vordruck aus der österreichischen Monarchie, mit der sich ähnlich lautende Anliegen schneller erledigen ließen. So hat sich wohl das spöttische Wort Amtsschimmel entwickelt.
Die Oma steht auf und der Opa verzieht sich in sein Arbeitszimmer um gemütlich seine Pfeife zu rauchen.
Die Kinder aber laufen hinaus in den Garten, um zu spielen. Schnell sehen sie noch bei Hermann vorbei, doch der ist nicht da.

Dieser spaziert vergnügt in den nahegelegenen Wald um ein Schwätzchen mit seiner Freundin der Blaumeise zu halten.
Leider ist sie nicht zu Hause und so lehnt sich der Troll an den Stamm eines Baumes und genießt die Stille des Waldes. Er liebte den Wald, den Duft nach Tannen, das Rascheln der kleinen Tiere und das Zwitschern der Vögel.
So schön es bei dem Mann ohne Haare ist, so einsam fühlte er sich auch und während er so
überlegt fällt ihm seine Jugendgespielin Herminchen, die Einzige die im Trollland nett zu ihm war, ein.
Aber sie war ja tot wie alle Trolle, die es ja verdient hatten, nur Herminchen, die war gut und hatte ihm auch geholfen, die Feenprinzessin zu retten.
Er seufzt und wünscht sich, sie würde noch leben.
Als hätte sein Wunsch sie herbeigezaubert, teilt sich das Gebüsch zu seiner Linken und ein Trollmädchen tritt heraus.
Hermann fährt sich über die Augen, es kann sich doch nur um ein Trugbild handeln.
Doch die kleine dralle Person kommt immer näher und flüstert schüchtern. „Hermann?“
Herminchen, jubelt dieser und sie fassen sich an den Händen und betrachten sich fassungslos. Beide hatten sich nicht vergessen.
Wenig später sitzen sie unter dem Baum und erzählen sich was sie erlebt haben.
Als Herminchen von den bösen Menschen berichtet, tröstet Hermann das Mädchen und erzählt, dass er bei ganz lieben Menschen wohnt und nicht alle dieser Gattung böse seien.
Er nimmt sie mit in den Schuppen und zeigt ihr stolz seine gemütliche Wohnung.
Du kannst bei mir bleiben und in meinem Bett schlafen, ich schlafe dann auf dem Boden, aber nun komm mit, ich stelle ich dem Mann ohne Haare, der Frau mit dem Namen Oma und den beiden Langhaaren vor.“
Wie staunen diese, als die beiden Trolle in die Küche kamen, in der die Familie gerade beim Nachmittagstee saß.
Oma holt gleich zwei Tassen und besonders Herminchen lässt sich den Kuchen schmecken, hat sie doch außer Beeren unterwegs nichts gegessen.
Staunend hören sie Herminchens Geschichte und als Hermann sagte, dass sie jetzt bei ihm bleiben wird und in seinem Bett schlafen kann, während er auf dem Boden nächtigt, da meint Opa.
Kommt gar nicht infrage, ich gehe gleich in die Werkstatt und zimmere ein neues Bett, Bretter genug habe ich ja.“ Und schon eilt er hinaus.
Die Oma aber verspricht, sich sofort an die Nähmaschine zu setzten und Bettwäschen zu nähen.
Die Mädchen aber bleiben in der Küche und immer wieder wollen sie von Herminchen wissen, wie es ihr ergangen ist.
Und Herminchen hat sich seit ihrer Flucht noch nie so wohl gefühlt.
Sie spürt, dass ihre Irrfahrt zu Ende ist.

Sie ist angekommen.

© Lore Platz





Samstag, 15. Juli 2017

Wie kann man Opa helfen

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell zwei Wochen doch vergehen.
Wieder ist Reizwortgeschichtentag und man höre und staune ich kann sogar mit einer kleinen Geschichte dazu beitragen.
Viel Spaß beim Lesen!

 Kneipe, Fest, glücklich, raten, folgen




Wie kann man Opa helfen?




Die kleine Kneipe in unserer Straße ...“
tönt es aus dem Radio und Renate laufen die Tränen über das Gesicht.
Mama!“ die zehnjährige Gerlinde eilt zu ihr und schlingt die Arme um ihre Mutter.
Oma hat Peter Alexander so gerne singen gehört.“
Zärtlich schmiegt das Mädchen ihre Wange an das Gesicht er Mutter.
Oma Erika war vor eineinhalb Jahren gestorben.
Opa Karl hat bald Geburtstag. Will er ihn feiern? Er ist doch jetzt immer so traurig.“
Renate wischt sich die Tränen ab, schnäuzt kräftig und seufzt.
Er will nicht feiern und schon gar kein großes Fest, dabei wollte ich alle seine Freunde einladen, um ihn aus seiner Trauer zu reißen. Ich mach mir solche Sorgen um ihn.“
Ein Klingel ertönt und Renate lacht.
Der Kuchen ist fertig.“
Sie holt den duftenden Apfelkuchen aus dem Backofen und Gerlinde holt sich eine Nase voll von dem köstlichen Duft.
Das ist der berühmte Apfelkuchen von Oma, bekomme ich später ein Stück davon.“
Ich mach dir einen Vorschlag, wenn er abgekühlt ist kannst du ja Opa einige Stücke vorbeibringen und mit ihm Kaffee trinken, das würde ihn bestimmt freuen.“
Prima!“
Kurze Zeit später radelt Gerlinde über den Waldweg an dessen Ende Opas Haus steht.
Ein klagender Laut ertönt und die Vögel ringsum zwitschern aufgeregt. Das Mädchen bremst so scharf, dass das Rad schleudert.
Neugierig und ein wenig ängstlich sieht sie sich um, was war das. Richtig unheimlich!
Und wieder erklingt ein lautes grausliches Heulen. Gerlinde lehnt das Rad an einen Baum und folgt den klagenden Tönen und was sie dann sieht lässt ihr fast das Herz stehen.
Ein mittelgroßer sandfarbener Hund liegt auf dem Boden und eine seiner Pfoten steckt in einem verrosteten Fangeisen.
Vorsichtig tritt das Mädchen auf das Tier zu, doch ein Knurren lässt sie zurück weichen.
Sie dreht sich um läuft zu ihrem Rad, verfolgt von einem verzweifelten schmerzvollen Jaulen.
Opa Karl steht in seinem Garten als das Mädchen mit Karacho in den Hof prescht.
Nanu ist der Teufel hinter dir her!“ lacht er und wird dann ernst, als ihm seine Enkelin von dem armen Tier erzählt.
Er holt das Auto, legt eine alte Decke auf den Rücksitz und als Gerlinde sich vorne neben ihn setzt, drückt er ihr einen Maulkorb in die Hand.
Der ist noch von unserm Harras, der verletzte Hund
wird vor Schmerz vielleicht um sich beißen, wenn wir ihn befreien.“
Erschüttert steht er wenig später vor dem Tier, das knurrend die Zähne zeigt.
Schnell und geschickt streift der Mann den Maulkorb über den Kopf des Hundes.
Traust du dir zu Linde, die Pfote heraus zu ziehen, wenn ich die Falle öffne?“
Das Mädchen nickt mit bleichem Gesicht und kniet sich neben den verletzten Hund.
Bereit!“
Ja!“
Der alte Mann drückt die zwei Eisen auseinander und schnell zieht das Mädchen die verletzte Pfote heraus.
Die Falle schnappt wieder zu und nachdem er sie unschädlich gemacht hat schleudert sie Opa Karl ins Gebüsch.
Das müssen wir dem Förster melden,“ brummt er.
Der Hund liegt mit geschlossen Augen da und nur das Heben der Brust zeigt, dass er noch lebt.
Bald haben sie die Tierarztpraxis erreicht.
Mit seiner Last auf den Armen durchquert er das Wartezimmer und ruft der herbei eilenden Sprechstundenhilfe zu. „Ein Notfall!“
Der Herr Doktor ist gerade bei einer Operation!“
Dann holen sie seinen Vater, schnell. In welches Zimmer kann ich.“
Zimmer 2,“ stammelt die junge Frau und eilt davon.
Opa Karl zwinkert seiner Enkelin zu.
Dann suchen wir mal Zimmer 2.“
Vorsichtig legt er das verletzte Tier, das sich ganz ruhig verhält, als spürte es, dass man ihm helfen
will, auf den blanken Tisch.
Die Tür öffnet sich.
Na, du hast ja der armen Christine einen schönen Schrecken eingejagt, alter Schwede!“
Ha Viehdokter, hoffe du kannst es noch, auch wenn
du schon lange in Rente bist.“
Grinsend tritt der alte Arzt näher, doch dann wird sein Blick ernst. „Armer Kerl!“
Er wendet sich an die blasse Gerlinde.
Mädchen es ist besser, du gehst hinaus zu Christine, das wird keine schöne Sache.
Nachdem das Mädchen das Zimmer verlassen hat beugen sich die beiden Männer über den Hund.
Eine halbe Stunde später ruft Opa Karl Gerlinde herein.
Der Hund liegt mit geschlossen Augen, ohne Maulkorb und einen weißen Gips am Bein, auf dem Tisch.
Wir konnten das Bein retten,“ erklärt Doktor Brandstetter., dann zwinkert er dem Mädchen zu, „sag mal stimmt das, dass dein Opa bald einen runden Geburtstag hat.“
Gerlinde nickt ernsthaft, „ ja, aber er will ihn nicht feiern.“
So so, du bist wohl zu geizig, um deinen Freunden einen auszugeben. In unserem Alter muss man die Feste feiern wie sie fallen.“
Naja, wer sagt denn, dass ich das nicht will,“ brummt Karl,“ aber seht doch der Hund kommt zu sich.“
Dieser hebt beim Klang der Stimme den Kopf. Vorsichtig tritt der alte Mann an den Tisch, noch wagt er nicht das Tier zu streicheln. Doch kein Knurren ertönt und auch die Augen blicken nicht mehr aggressiv vor Schmerzen.
Vorsichtig streichelt Opa Karl den Hund und freut sich als eine raue Zunge über sein Hand fährt, als hätte der Hund seinen Retter erkannt.
Was wird nun aus ihm?“ fragt Gerlinde.
Pankratz zuckt mit den Schultern.
Einen Chip habe ich nicht gefunden, wird schwer sein den Besitzer ausfindig zu machen. Ich befürchte ja, dass er oben an der Autobahn ausgesetzt wurde, wie es leider jetzt in der Urlaubszeit öfter vorkommt. Er muss wohl ins Tierheim.“
Nein !“ ruft Gerlinde entsetzt.
Opa Karl zwinkert ihr beruhigend zu.
Kommt gar nicht infrage ich habe genug Platz, ich nehme ihn zu mir.“
Jubelnd fällt das Mädchen ihrem Großvater um den Hals.
Der alte Arzt aber grinst.
Sag mal Karl, hast du eigentlich noch ein paar Flaschen von dem guten Roten in deinem Keller?“
Ein paar dürften noch da sein.“
Dann werde ich öfter mal bei dir einen Hausbesuch machen und nach dem Hund sehen und bei der Gelegenheit könnten wir ja mal wieder eine Partie Schach spielen.“
Abgemacht!“

Renate aber ist glücklich , dass ihr Vater nun doch seinen 70igsten feiern wollte.
Ratet mal, wer an diesem Tag dem Geburtstagskind fast die Schau gestohlen hat?
Ein sandfarbener Hund mit einem Gipsbein.

© Lore Platz


Eva

Samstag, 1. Juli 2017

Reizwortgeschichte





Tut mir leid, ich habe keine Geschichte, die Hitze hatte mich im Griff, und wenn es auch im Moment angenehm kühl ist, so  macht meine Muse doch Ferien am Meer.
Geduldig warte ich bis sie wieder kommt, bleibt mir ja wohl auch nichts anderes übrig, denn ich bin auf sie angewiesen.
Aber schaut doch mal was meine Mitschreiberinnen so bringen.

Regina
Martina
Christine
Eva

Donnerstag, 15. Juni 2017

Wieder etwas plaudern - Reizwortgeschichten


Reizwörter:

Krämerladen - Bierflaschen - suchen - lesen – staubig.


Sicher habt ihr schon gemerkt, dass es mir schwer fällt in letzter Zeit Geschichten zu schreiben. 
Ich muss gestehen, mir fällt  nix ein, denn irgendwie habe ich manchmal das Gefühl schon alles geschrieben zu haben.
Ich werde weiter suchen bis mir was einfällt und ihr wieder hier eine Geschichte lesen könnt.
Doch heute  will ich  einfach nur plaudern.

Meine große Schwester Karin

Heute ist ja Fronleichnam und als Kind fand ich das immer wunderschön, besonders als ich ein Kommunionkind war und an Fronleichnam dieses 
schöne weiße Kleid noch einmal tragen durfte.
Der Pfarrer schritt unter dem Himmel, das war ein golddurchwirkter schwerer Stoff, der durch  vier  Stangen zu einem Rechteck gespannt wurde.
Die vier Stangen wurden von kräftigen Männern getragen und unser Pfarrer schritt in seinem schönen prächtigen Gewand mit beiden Händen die sternenförmige Monstranz haltend.
Voran gingen zwei Weihrauch schwenkende Minstrianten.
Hinter dem 'Himmel' kamen die Kommunionkinder, die Mädchen in ihren weißen Kleider und dann die Buben in schwarzen Anzügen, frisch gerubelten Gesichtern und straff gekämmt.
So sauber habe ich die Dorfbuben selten gesehen.
Dann folgten die restlichen Dorfbewohner in ihren
Festtagskleidern, singend und betend.
Auch das Dorf war festlich aufgeputzt. 
Die staubige Straße gekehrt, die Häuser festlich geschmückt, vor dem Krämerladen waren die Bierflaschen entfernt und alles erstrahlte im festlichen Kranz.
In Abständen waren Altäre aufgestellt und an jedem wurde gebetet, bis man dann am Schluss singend in die Kirche zurück kehrte.
Ach ja und wir Mädchen durften auch noch Blumen streuen.
War das schön!

Ich wünsche euch einen schönen Feiertag!