Samstag, 18. November 2017

Der kleine Zwerg

Vorgestern habe ich meine neue Geschichte beendet und möchte sie euch vorstellen.
Viel Spaß beim Lesen! 





Der kleine Zwerg


Die achtjährige Lenerl stapft mit tief gesenktem Kopf die Auffahrt entlang und betritt das Haus. Sie nimmt den Schulranzen ab und stellt ihn auf den Boden neben den Schuhen, die aufgereiht wie die Soldaten nebeneinander stehen.
Die Mutter steckt den Kopf durch die Küchentür und begrüßt sie lächelnd, doch dann wird ihr Gesicht ernst.
Sie sieht der Kleinen an, dass etwas schief gelaufen ist, doch sie spricht sie nicht darauf an. Lenerl wird darüber selbst sprechen, wenn sie dazu bereit ist.
Im Gegensatz zu der zwölfjährigen Elsa, die mit beiden Beinen fest auf der Erde steht, ist Lenerl ein empfindsames Kind, das man anders behandeln muss, als ihre Schwester.
Schweigsam löffelt sie dann auch ihre Suppe, während Elsa aufgeregt von ihrem Projekt erzählt, das sie für Schule basteln muss. Sie sollten aus den Materialien die der Herbst schenkt etwas bauen und sie will einen Märchenwald basteln.
Heute Vormittag sind sie mit ihrer Klasse zwei Stunden durch den Wald gestreift und haben Moos, Tannenzapfen, Blätter und kleine Äste gesammelt und Kastanien durften sie von dem großen Baum im Schulhof schütteln.
Lachend erzählt sie wie sie mit dem großen Max fast um die Kastanien gerauft hat.
Die Mutter hört nur mit einem Ohr zu, denn sie sieht wie dicke Tränen in Lenerls Suppe tropfen und gibt Elsa mit der Hand ein Zeichen.
Diese bemerkt nun auch das traurige Gesicht ihrer Schwester.
Was hast du denn?“
Die andern haben gesagt ich darf heute Nachmittag nicht mitkommen zum spielen, weil ich ein Feigling und Angsthase bin und deshalb ein Spaßverderber,“
schluchzt Lenerl, springt auf und verlässt laut weinend die Küche.
Elsa will ihr nachlaufen, doch die Mutter hält sie zurück.
Lass sie, du weißt Lenerl muss sich erst ausweinen bevor man wieder vernünftig mit ihr sprechen kann.“
Und so ist es auch. Nach einiger Zeit kommt die Kleine wieder in die Küche und schmiegt sich an die Mutter und nach einer Tasse heißen Kakao sieht alles schon wieder besser aus.
Und als Elsa ihrer Schwester vorschlägt, ihr beim Basteln zu helfen, da ist die Welt für Lenerl wieder in Ordnung.
Glücklich sitzt sie neben ihrer Schwester vor sich den Korb mit den heute gesammelten Materialien, die so herrlich nach Wald duften.
Unter den geschickten Händen von Elsa entstehen nun Zapfenbäume, aus Klorollen, Ästchen und Zapfenschuppen.
Die Klorollen darf Lenerl aus der großen Schatztruhe ihrer Schwester holen.
Die Kleine liebt diese Truhe, in der Elsa alles sammelt, was sie zum basteln brauchen konnte.
Auf einer großen Platte, die sie von der Schule bekommen hatte. klebt die Künstlerin nun die Bäume auf. Lenerl darf das duftende Moos verteilen, dann sieht sie staunend zu, wie ihre Schwester mit geschickten Händen einen großen Bär aus Kastanien bastelt. Eine Kastanie schnitzt sie zu einem Bärenkopf.
Hier, mal die gelb an.“
Elsa reicht Lenerl eine große Kastanie. Und voll konzentriert, die Zungenspitze zwischen den Lippen, bemalt diese die Kastanie.
Was wird das?“
Elsa lächelt und bemalt mit dünnen Pinselstrichen die gelbe Kastanie.
Ein Kürbis!“
Ja ich bastle einen Märchenwald und dies ist der Kürbis, aus der die Fee die Kutsche von Aschenputtel zaubert.“
Elsa deutet auf den Bär, der bereits zwischen den Bäumen steht.
Das ist der Prinz, den der böse Zwerg aus Schneeweißchen und Rosenrot, verzaubert hat.“
Nun wird der Märchenwald immer schöner.
Aus Hagebutten, Blättern und Gewürznelken, entstehen Aschenputtel, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen.
Die gute Fee bekommt ein Kleid aus Federn, die Lenerl aus der Schatztruhe holen darf.
Diese Federn hatten einst Tante Luises Hut geschmückt, bevor die Katze ihn in die Pfoten
bekam.
Froschkönig und den Wolf schnitzt Elsa wieder aus Kastanien und bemalt sie.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk.
Nun fehlen nur noch die sieben Zwerge, suche mir bitte sieben gleich große Tannenzapfen.“
Lenerl kramt im Korb und holt sieben Zapfen heraus.
Ein ganz kleiner Zapfen liegt ganz versteckt zwischen dem Moos und es ist Lenerl als hört sie ihn flüstern. Nimm mich auch mit.
Vorsichtig hebt sie ihn heraus und reicht ihn ihrer Schwester.
Der ist viel zu klein, wirf ihn wieder in den Korb!“
Darf ich ihn behalten?“
Ihre Schwester lächelt gutmütig und mit flinken Fingern bemalt sie den Kümmerling und reicht ihn ihrer Schwester.
Danke !“ Glücklich drückt Lenerl das Zwergerl an sich.
Und als sie abends ins Bett geht darf er auf ihrem Nachtisch stehen.

Lenerl erwacht mitten in einer blühenden Wiese. Bienen um schwirren summend die Blumen. Schmetterling gaukeln durch die Luft und ein Heuhüpfer landet direkt auf ihrer Nase.
Lenerl muss niesen und der kleine grüne Kerl landet im Gras und hüpft in großen Sprüngen davon.
Das Mädchen setzt sich auf und erblickt einen Zwerg, der sie vergnügt angrinst.
Wer bist du denn du?“
Kennst du mich nicht mehr, ich bin der kleine Zwerg, den deine Schwester dir gebastelt hat.“
Und wo sind wir hier?“
Der Zwerg deutet auf den Wald gegenüber.
Das ist der Märchenwald, wollen wir ihn uns ansehen?“
Lenerl nickt eifrig und sie laufen in den Wald. Stille umgibt sie, nur ab und zu raschelt es, wenn ein kleines Tier durch die Büsche läuft.
Plötzlich ist ein lautes Brummen zu hören und ein großer Bär taucht zwischen den Bäumen auf.
Das Mädchen hat keine Angst, weiß sie doch, dass es der verzauberte Prinz ist.
Der kleine Zwerg, der sich hinter ihr versteckt hat, zupft sie am Kleid und flüstert.
Komm lass uns weitergehen, der Bär hat nämlich Zwerge zum Fressen gern.“
Lachend winkt Lenerl dem Bär und folgt dem Kleinen.
Sie kommen an einen Teich, in dessen Mitte auf einem Seerosenblatt ein dicker Frosch mit einer goldenen Krone sitzt,
Schönes Fräulein,“ ruft er,“kommt näher, wollt ihr mich küssen!“
Lernel winkt ab.
Da müsst ihr schon warten, bis die Prinzessin mit
dem goldenen Ball kommt.“
Als sie weiter gehen kommen ihnen zwei Kinder entgegen.
Wir haben großen Hunger, habt ihr was zu Essen für uns.“
Bedauernd schüttelt Lenerl den Kopf.
Komm Gretel, ich habe gehört hier gibt es irgendwo ein Lebkuchenhaus.“ „Ja Hänsel.“
Hand in Hand laufen die Geschwister weiter.
Auch Lenerl und ihr kleiner Begleiter wandern weiter.
Es raschelt und seine spitze Nase voran schiebt sich ein großer grauer Wolf durch das Gebüsch.
Hallo, kleines Mädchen, wohin des Weges?“
Er kommt näher, die Lefzen heben sich und große spitze Zähne sind zu sehen.
Ängstlich weichen Lenerl und der kleine Zwerg zurück.
Der Wolf kommt immer näher.
Eine goldene Sonnenkugel erscheint zwischen den Bäumen und eine wunderschöne Fee steht zwischen dem Wolf und Lenerl.
Das ist nicht Rotkäppchen, lass sie in Ruhe!“ sagt sie streng
Weiß ich, aber ein zarter Leckerbissen.“
Soll ich den Jäger rufen?“
Spielverderberin!“
Der Wolf dreht sich um und verschwindet im Gebüsch.
Danke liebe Fee.“
Diese lächelt.
Nun lebt wohl, ich muss zu Aschenputtel und ihr beim Ankleiden für den Ball heute Nacht helfen.“
Sie verwandelt sich wieder in den Sonnenball und schwebt durch die Bäume davon.
Auch die Beiden wandern weiter.
Eine wunderschöne junge Frau mit pechschwarzem Haar steht vor einem Häuschen, die Hand über den
Augen, als würde sie nach jemanden Ausschau halten.
Lächelnd grüßt sie und fragt:
Seid ihr unterwegs sieben Zwergen begegnet?“
Nein, sind wir nicht,“ meint Lenerl.
Das sie doch nie pünktlich sein können, das Essen ist längst fertig.“
Kopfschüttelnd kehrt sie in das Haus zurück.
Lenerl und der kleine Zwerg sehen sich an und kichern.
Nebel steigt auf einmal auf, wird immer dichter und ein lauter durchdringender Wutschrei ertönt.
Ein wilder Wind fährt durch den Wald und wirbelt Sand und Blätter auf.
Lenerl und der Zwerg drängen sich erschrocken aneinander.
Kommt mit, die gute Fee schickt mich, ich soll euch in meine Höhle mitnehmen.“
Ein Eichkätzchen taucht aus der Nebelwand auf, dreht sich um läuft los, die beiden folgen ihm bis zu einem großen Baum.
Das putzige Tier springt auf den Stamm und saust nach oben. Der kleine Zwerg kann sich gerade noch an ihren buschigen Schwanz festklammern.
Lenerl aber bleibt unten stehen und sieht ängstlich nach oben.
Der kleine Zwerg dreht sich um und ruft.
Beeile dich, du musst den Baum heraufklettern.“
Ich habe Angst!“
Du darfst bloß nicht nach unten schauen, dann geht es schon!“
Zitternd vor Angst steht das Mädchen da.
Hinter sich hört sie es ächzen und stöhnen und als sie sich umblickt, sieht sie wie der Boden des Waldes sich erhebt und wellenartig auf sie zukommt.
Mit einem Quietschen springt sie hoch und fasst den ersten Ast und dann klettert sie flink wie ein Eichkätzchen den Stamm entlang. Der kleine Zwerg streckt ihr die Hand entgegen und hilft ihr in die Baumhöhle.
Nachdem sie sich beruhigt hat fragt sie erstaunt ihre Gastgeberin.
Was ist denn das?“
Das Eichkätzchen winkt lässig mit der Pfote.
Die dreizehnte Fee aus Dornröschen hat wieder mal einen ihrer Wutanfälle.“
Ganz schön heftig,“ brummt der kleine Zwerg.
Dauern dies Anfälle lange?“ will Lenerl wissen.
Nein!“
Schweigend sehen sie nun der aufgebrachten Natur zu.
Dann wird es still, der gewölbte Boden streckt sich, die abgerissen Blätter wirbeln zurück an die Bäume.
Es ist vorbei, wir können wieder hinunter.“
Das Eichkätzchen verlässt seinen Bau und rast den Stamm hinunter. Der kleine Zwerge hat Mühe sich an ihrem Schwanz festzuhalten.
Lenerl atmet tief durch und macht sich an den Abstieg.
Lenerl, aufstehen, du musst in die Schule.“
Verwirrt blickt das Mädchen in die lachenden Augen ihrer Mutter.
Nach dem Frühstück geht Lenerl zur Schule. Doch je näher sie dem Schulhaus kommt , umso langsamer wird sie.
In der ersten Stunde hatten sie Sport und die anderen würden sie wieder auslachen, weil sie sich
nicht auf die Kletterwand traute.
Ihre Brotzeittasche klappert und der kleine Zwerg sieht sie an.
Wer vor der bösen Fee schnell wie ein Wiesel auf einen großen Baum geklettert ist, der wird doch vor so einer kleinen Kletterwand keine Angst haben.“
Lenerl strahlt: „Du hast Recht!“

© Lore Platz

Freitag, 3. November 2017

Eine verlorene Geschichte

Ich bin gerade am Sortieren meiner mehr als zweihundert Geschichten. Und als ich die Geschichten von dem kleinen roten Auto in einem Ordner zusammen fassen wollte fand ich die Geschichte von dem kleinen roten Auto und der Elfenprinzessin  nicht mehr.
Weder in meinen Unterlagen noch in meinem Blog, dabei wusste ich doch genau: Ich hatte sie geschrieben.
Auf gut Glück gab ich den Titel im Internet ein und ... ich fand sie!
Ich hatte diese Geschichte auf seniorbook geschrieben. 
Hurra, das Internet verliert nichts!
Nun konnte ich sie abspeichern, meinen Unterlagen beifügen und auch euch heute vorstellen.



Das kleine Auto und die Elfenprinzessin

 
Onkel Oskar, Onkel Oskar, sieh nur wie hübsch ich bin!“ 
Bellinda, das einzige Mädchen der Drillinge klettert über die Rücklehne und stellt sich auf dem Beifahrersitz auf die Hinterbeine. Die Pfötchen über dem Kopf dreht sie sich wie ein kleine Ballerina, dass der weite Rock des hübschen roten Kleidchen um ihre Beine schwingt. Eine rote Schleife schmückt das rechte Ohr.
Oskar lächelt liebevoll, das kleine Mäusemädchen war sein ganz besonderer Liebling. Und so meint er freundlich: „ Du siehst wirklich bezaubernd aus, wie ein kleines Fräulein.“ 
Bellinda hält in ihrem Tanz inne und strahlt. 
„Nicht wahr, mein Kleid ist ja soooo schön! Mama hat es extra von Madame Spinne anfertigen lassen. Weißt du meine Kusine Mira heiratet doch heute und ich darf Blumen streuen.“
Halt die Klappe, Bel, das erzählst du Onkel Oskar schon seit einer Woche,“ brummt ihr Bruder Oskar und kommt auch nach vorn. 
Schick schaut er aus in dem hübschen kleinen Frack. Frau Kathrin klettert über die Lehne, eine große Tasche in der einen Hand und einen Koffer in der anderen Hand. Sie sieht etwas genervt aus und setzt sich prustend nieder.
Herr Max kommt durch das Fenster. 
„Die Schneckenpost wartet.“ 
Frau Kathrin drückt ihm das Gepäck in die Hand und Herr Max schlüpft hinaus, um es auf der Kutsche zu verstauen. 
Bellinda trippelt aufgeregt von einem Bein auf das andere. „Stell dir vor wir dürfen mit der Kutsche fahren, ist das aufregend.“
Frau Kathrin sieht sich um. „Wo ist Bruno?“ 
„Der Herr Professor wird wieder seine Nase in ein Buch gesteckt haben,“ grinst Oskar. 
Frau Kathrin wirft ihm einen strafenden Blick zu. „Du sollst dich nicht immer über deinen Bruder lustig machen, ich wäre froh, wenn deine Zensuren besser wären. Nun geh und hole ihn.“ 
„Bruuunnnooo!“ brüllte Oskar und seine Mutter zuckt zusammen. 
Gleich darauf erscheint der Mäusejunge.
Auch er trägt einen kleinen Frack und sieht seinem Bruder sehr ähnlich, nur  dass auf seiner Nase eine kleine Brille sitzt. 
„Nun können wir ja gehen, auf Wiedersehen Herr Oskar, wir werden einige Tage bei unseren Verwandten bleiben.“ 
"Auf Wiedersehen Onkel Oskar!“ rufen die Kinder.“
Still ist es jetzt im Auto und Herr Oskar ist ein wenig traurig, aber dann tröstet er sich, dass seine Untermieter ja bald wieder zurückkommen.
Außerdem ist er ja nicht allein, immer wieder kommt eines der Waldtiere vorbei und bleibt auf einen kleinen Plausch stehen.
Dann geht der Tag zu Ende und die Sonne geht schlafen und der Mond nimmt ihren Platz ein. 
Die Vögel kuscheln sich in ihre Nester und die Tiere verschwinden in ihrem Bau. Stille liegt über dem Wald. Auch Herr Oskar schließt die Augen und ist bald eingeschlafen.
Etwas weckt ihn auf. Es ist dunkel draußen und nur das fahle Licht des Mondes beleuchtet ein wenig den Wald. Alles ist ruhig und Herr Oskar dachte schon, er hätte sich getäuscht und schließt wieder die Augen. Doch dann hört er ein leises Weinen.
„Hallo, wer weint denn da?“ Sofort verstummt das Weinen, man hört nur noch ein leisen Schniefen. 
„ Habt keine Angst, ich tue euch nichts, zeigt euch doch.“ 
Er spürt eine leichte Bewegung und durch den Mond der durch die Scheibe scheint, sieht er nun ein kleines zartes Wesen, das auf der Ablage sitzt. So etwas zartes und süßes hatte Herr Oskar noch nie gesehen.
„Wer bist denn du?“ 
„Ich bin Sonilinde, die Tochter der Elfenkönigin Sonnenblume und ich wurde von dem bösen Kobold Alberich gejagt. Beinahe hat er mich erwischt, aber ich konnte mich losreißen, dabei sind meine Flügel verletzt worden und ich kann nicht mehr fliegen. 
Zum Glück kam mir der Wind zu Hilfe, er schickte mir ein Blatt, an das ich mich hängen konnte und blies mich hier in den Wald. Und ich bin zu ihnen herein gekrochen, weil ich hoffe der Kobold findet mich hier nicht.“
Wieder fängt sie zu weinen an.
 „Aber, aber,“ tröstet Herr Oskar, „der Wind wird sicher eurer Mutter Bescheid sagen und sie holt euch ab.“ 
Doch Sonilinde schüttelt den Kopf. „Er musste gleich weiter!“
„ Nun schlaft kleine Elfe, morgen sieht alles viel besser aus.“ 
Das zarte Wesen klettert wieder auf den Sitz, doch dann meint es schüchtern. 
„Können sie die Fenster nicht schließen? Nicht, dass der Kobold mich hier findet.“ 
„Leider geht das nicht, ich sitze hier fest und kann mich nicht rühren.“ 
„Vielleicht könnte ich?“ 
Herr Oskar schmunzelt: „Sehen sie die Kurbel da an der Tür, das ist viel zu schwer für sie.“ 
Die Elfe lacht und es klingt wie das Läuten eines silbernen Glöckchen. „ Ich hab doch meinen Zauberstab!“
Sie hält den Sternenstab gegen die Kurbel, die sich wie von selber dreht und das Fenster ist geschlossen. Dasselbe macht sie auf der anderen Seite. 
„ Nun bin ich sicher.“ 
Mit einem zufriedenem Seufzer kuschelt sie sich zusammen und bald zeigen zarte kleine Töne, dass sie eingeschlafen ist.
Herr Oskar aber kann noch nicht schlafen. Schmunzelnd denkt er über dieses neue Abenteuer nach. Seit er hier im Wald gestrandet ist, war sein Leben nie mehr langweilig. Bald aber schläft auch er.
Es ist spät, als er am nächsten Morgen erwacht und auch sein kleiner Gast schläft noch. 
Im Wald ist es auffallend still und es ist auch niemand zu sehen. Sonst um diese Zeit herrschte hier um ihn herum schon reger Betrieb. 
Da sieht er Fritz, den Igel, der mit schnüffelnder Nase auf den Boden ihm entgegenläuft. 
 „Fritz!“ 
Der Igel reagiert nicht. Richtig er konnte ihn ja nicht hören, die Fenster waren zu.
Herr Oskar räuspert sich. 
„Fräulein Sonilinde!“ 
Die kleine Elfe regt sich, hebt gähnend beide Arme und streckt sich. 
„Guten Morgen, Herr Oskar!“
„ Guten Morgen mein Fräulein, würdet ihr bitte die Fenster wieder öffnen, ich möchte gerne meinen Freund etwas fragen.“
Wie ein Blitz gehen die Fenster runter und als nun Herr Oskar ruft, hebt der Igel den Kopf und trippelt näher ans Auto heran.
„Guten Morgen Oskar.“ 
„Guten Morgen Fritz. Weißt du, warum der Wald heute wie ausgestorben ist.“
„Sie machen sich alle fein, denn heute hat die Elfenkönigin Sonnenblume
Geburtstag und alle sind zum Fest eingeladen.“ 
Sonilinde seufzt leise. „ Weißt du ob sich der Kobold Alberich im Wald herum treibt?“
Fritz zieht seine Schnauze ein und ist nur eine stachelige Kugel.
„So ein Hasenfuß, da werden wir wohl keine Antwort die nächste Zeit erhalten. Aber bald wir bestimmt jemand vorbei kommen und uns helfen.“
Verzagt klettert die kleine Elfe auf den Beifahrersitz und da Herr Oskar befürchtet, dass sie gleich wieder los weinen wird, erzählt er ihr lustige Streiche von den Drillingen und bringt Sonilinde zum Lachen. 
Doch die Zeit vergeht und immer noch lässt sich jemand blicken und auch Fritz liegt immer noch zur Kugel gerollt vor dem Auto. Herr Oskar ist etwas besorgt, doch er will die kleine Elfe nicht beunruhigen.
Dann hat er eine Idee. 
„Fräulein Sonilinde können sie mit ihrem Zauberstab auch die Hupe zum Tönen bringen?“ 
„Was ist eine Hupe?“
„Damit kann ich mich bemerkbar machen, es ist ein lang anhaltender Ton. Sehen sie vorne das runde Rad, das ist das Steuerrad und dieser kleine Hebel daran ist die Hupe.“ 
Die Elfe zückt den Zauberstab und der Hebel bewegt sich und ein lautes „Tuuuuuuut“ ertönt.
Vor Schreck fällt Sonilind auf den Rücken, doch dann beginnt sie zu kichern und lässt die Hupe nochmal ertönen.
Fritz streckt erschrocken seine Nase heraus, um dann sofort wieder in der Kugel zu verschwinden.
Doch ringsum wird es lebendig. Die Tiere kommen von allen Seiten angelaufen und scharren sich um das Auto. Der König des Waldes schreitet aus einem Gebüsch und die Tiere bilden eine Gasse, um ihn zu Herrn Oskar zu lassen.
„Haben sie diesen seltsamen Laut ausgestoßen, Herr Oskar.“ 
„ Ja, mein kleiner Gast hier, braucht eure Hilfe!“
Die Elfenprinzessin klettert durch das Fenster auf das Dach und erzählt nun ihr Abenteuer. Als sie berichtet, dass ihre Flügel beschädigt sind und sie nicht mehr fliegen kann, geht ein mitleidiges Aufseufzen durch die Versammlung. 
Der Hirsch aber beugt sein Geweih und bittet. „Prinzessin wir werden sie zu ihrer Mutter bringen, klettert bitte auf mein Geweih.“ 
Dann setzt sich der lange Zug der Tiere in Bewegung, um zur Sonnenblumenwiese zu marschieren. 
„Auf Wiedersehen, Herr Oskar und danke!“ ruft die kleine Elfe und winkt ihm zu.
Dieser ist ein wenig traurig, doch dann schmunzelt er. Eigentlich hatte er doch gar keine Lust an diesem Fest teilzunehmen, dazu war er doch schon zu alt und behäbig.
Er ließ seine Gedanken schweifen, da spürt er auf einmal eine Bewegung und eine Elfe mit schwirrenden Flügeln lässt sich auf dem Beifahrersitz nieder.
„Guten Tag Herr Oskar, ich bin Sonnenblume und möchte mich bei ihnen herzlich bedanken, dass sie meiner Tochter geholfen haben.“
„ Guten Tag, das ist doch nicht der Rede, aber haben sie nicht heute Geburtstag, herzlichen Glückwunsch.“
„Danke schön, aber ich würde ihnen gern eine Freude machen.“ 
Herr Oskar lacht: „ Aber ich habe doch nicht Geburtstag!“ 
Auch die Elfenkönigin lacht. „ Meine Tochter hat mir erzählt, dass sie sich nicht bewegen können. Meine Zauberkraft reicht zwar nicht, dass sie wieder fahren können, aber alles anders könnten sie bewegen, wenn sie den Wunsch dazu haben. Möchten sie?“
Herr Oskar strahlt. 
"Das wäre prima. Wissen sie, ich habe mir schon etwas Sorgen gemacht, wenn es kalt wird, ob meine Mäusefamilie dann nicht erfriert, aber wenn ich die Fenster schließen kann.“
„ Und die Heizung betätigen!“
Die Elfe hebt den Zauberstab und murmelt einige Worte. Dann meint sie lächelnd. 
„Nun Herr Oskar wollen sie es ausprobieren, sie brauchen nur zu wünschen.“
Und Oskar lässt die Fenster auf und zu gleiten, die Kühlerhaube und Motorhaube hinaufschnellen und wieder runter, die Scheinwerfer auf strahlen und die Hupe lang ertönen. 
Frau Sonnenblume lacht und als Oskar sich wieder beruhigt hat, meint sie bedauernd. 
„Nun muss ich wieder zu meinen Gästen. Ach, meine Tochter lässt fragen, ob sie sie besuchen darf?“ „Gerne, ich habe die Kleine ins Herz geschlossen, sie ist ja wirklich entzückend. Aber ist es nicht zu gefährlich, der Kobold Alberich?“ 
„Den habe ich in die Unterwelt verbannt, der kann keinen Schaden mehr anrichten. Nun aber auf Wiedersehen!“ 
Sie fliegt davon und Oskar lässt nun sein Auto tanzen, hebt Kühlerhaube auf und zu, lässt die Hupe erschallen und Fenster sich bewegen, bis Frau Eule aus ihrem Bau fährt und laut „Ruhe“ brüllt.
Oskar kichert und überlässt sich seinen vergnügten Gedanken.



© Lore Platz

Dienstag, 31. Oktober 2017

Mein Schatz




Ich habe euch schon einmal erzählt, dass Bücher meine Welt sind. Besonders alte Kinderbücher haben es mir angetan. Manchmal  hatte ich bei meinem Streifzügen über Flomärkte Glück.
Und einmal entdeckt ich in einer Nebengasse in München in einem kleinen Laden einige Bücher von Josefine Siebe (1870 bis 1941) und war begeistert von den Geschichten.
Später konnte ich unter gebrauchten Büchern bei Amazon noch einige erwerben.
Auch die Geschichten von Johanna Spyri (1827 - 1901) liebte ich, leider waren mir außer Heide und Gritles Kinder wenige bekannt.
Vor Jahren nach dem Tod meines Mannes schenkte mir meine Tochter zu Weihnachten einen Kindle.
Erst sträubte ich mich, denn ich wollte lieber  ein Buch in die Hand nehmen, doch sie überrumpelte mich, dass war gut so, denn nun will ich ihn nicht mehr her geben, denn es ist so einfacher für mich besonders im Bett, das ich bei Schmerzen immer öfter aufssuchen muss.
Gestern aber habe ich einen Schatz gehoben.
Als ich so durch mein Amazon.Konto streifte, kam mir der Gedanke, mal wieder bei Kinderbuch-Klassiker nachzusehen.
Und ich hatte Erfolg, ich fand Geschichten von Selma Lagerhöf (1858 -1940) die mir noch  noch nicht bekannte waren, ebenso von Magda Trott (1880 - 1945)
Magda Trott von der ich nur die Pucki Bücher kannte und liebte, gibt es auch noch viel mehr, darunter die dreizehnbändigen Goldköpfchen. (1928) erschienen.
Den ersten Band habe ich gestern begonnen und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. 
Bärbel, wegen ihren Locken Goldköpfchen genannt ,ist vier Jahre und im 'warum ' Alter. Und die Erwachsenen in ihrer Umgebung versuchen sie so gut wie möglich zu beantworten.
Doch wie die Kleine das Gehörte dann umsetzt, dass ist zum kringeln komisch.
Ich freu mich schon auf Morgen früh, denn mein tägliches Ritual morgens ist im Bett noch eine Stunde zu lesen, bevor ich in den Tag starte.
Nun wünsche ich euch noch einen schönen Feiertag.



Montag, 30. Oktober 2017

Kinderarmut





Neulich hatte ich ein Gespräch mit einer Bekannten, über die Kinderarmut, die in Deutschland immer mehr zunimmt.
Doch wo beginnt Armut und was braucht ein Kind,
Essen, Kleidung und vor allem Sicherheit und Liebe?
Meine Bekannte meinte grimmig:
Es gibt keine armen Kinder, nur faule Mütter!“
Nun so pauschal darf man das nicht sehen, oder?
Ich will mir hier kein Urteil erlauben, aber wenn ich zurückdenke an meine, nach heutiger Ansicht wohl arme Kindheit, dann kann ich nur sagen ich habe es nie so empfunden.
Mein Vater hatte sein Erbe durch die Inflation verloren, meiner Mutter wurde ihre gesamte Aussteuer unterwegs im Zug gestohlen.
Meine Eltern fingen mit nichts an.
Die ersten Möbel zimmerte mein Vater aus leeren Bierkisten.
Wir hatten immer genug zu essen, weil meine Mutter aus nichts wunderbare Gerichte zaubern konnte, Kartoffeln waren immer da und Fleisch gab es nur sonntags,wenn überhaupt.
Spielzeug gab es nicht, aber wir hatten die Natur als Spielplatz und aus Sand und Wasser konnte man wunderbare Kuchen zaubern, mit denen wir dann verkaufen spielten. Wir waren glücklich.
Denn wir hatten Eltern, die uns liebten und uns Geborgenheit schenkten.
Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Klassenfahrt nicht mitmachen konnte, weil meine Eltern das Geld dafür nicht hatten. Aber ich fühlte mich deshalb
weder arm noch ausgegrenzt.
Vielleicht liegt heute die Latte zu hoch, was der Mensch braucht, um nicht als arm zu gelten.


Kinderarmut

Gloria saß auf ihrem Sofa und baumelte lustlos mit den Beinen. Sie trug ein hübsches weißes Kleid,ihre dunkelblonden Locken wurden von einem roten Band gehalten und rote feine Lachschuhe zierten ihre Füße.
Gelangweilt glitt ihr Blick durch das Zimmer, über die hübschen weiß lackierten Möbel, das große Puppenhaus mit dem echten elektrischem Licht, die vielen wunderschönen Puppen, die aufgereiht auf einem Puppensofa saßen, die große Kiste mit Spielsachen. Man hatte den Eindruck als wäre man in der Spielzeugabteilung eines großen Kaufhauses.
Gloria sprang auf und verließ das Zimmer.
Aus dem Salon drangen Stimmen und das Mädchen schlüpfte durch die Tür und stellte sich neben ihre Mutter die mit ihrem Freundinnen Kaffee trank.
Unwillig sah diese auf.
Was willst du?“
Mir ist so langweilig!“
Frau Baumann verdrehte die Augen und meinte zu ihren Freundinnen gewandt.
Dieses Kind hat das ganze Zimmer voller Spielzeug und beklagt sich über Langweile.“
Die jungen Frauen lachten und Gloria wurde rot.
Stirn runzelnd wandte sich ihre Mutter an das Mädchen.
Nun geh spielen, du siehst ja ich habe kein Zeit, du störst.“
Mit gesenktem Kopf verlässt das Kind das Zimmer.
Aus der Küche drang Stimmengewirr, Lachen und Töpfe klappern.
Gloria schlängelte sich durch die Tür.
Eines der Küchenmädchen sah sie und rief:
Was willst du hier, du bist im Weg, außerdem wenn die Gnädige das sieht, dann wird sie sehr ungnädig.“
Die anderen lachten und Gloria schlich sich hinaus.
Mit Tränen in den Augen ging sie über die Terrasse in den Garten.
Sie fühlte sich so schrecklich einsam.
Am Ende des Gartens sah sie eine Bewegung und schnell lief sie hinüber.
Ein Mädchen in Jeans sprang gerade über den Zaun und ihr Pferdeschwanz wippte fröhlich auf und ab, als sie auf dem Boden aufkam.
Wer bist du?“
Erschrocken sah das Mädchen auf und wurde leicht verlegen.
Hanna, bitte verrate mich nicht.“
Warum bist über den Zaun geklettert?“
Das Mädchen wurde etwas rot: „ ich wollte einige der Äpfel aufklauben, die hier am Boden liegen.“
Was willst du denn damit?“
Mein Mutter hat Morgen Geburtstag und ich will ihr einen Apfelkuchen backen.“
Kannst du das denn ?“
Hanna lachte.
Ich bin doch schon zwölf! Weißt du mein Papa ist vor zwei Jahren gestorben und meine Mutter muss jetzt immer soviel arbeiten, da helfe ich im Haushalt soviel ich kann.“
Ich bin acht Jahre, aber ich kann gar nichts und kochen und backen macht unsere Köchin und die Küchenmädchen. Mein Papa ist immer in der Arbeit, aber Mama muss gar nicht arbeiten. Sie muss nur mit ihren Freundinnen Kaffee trinken oder einkaufen gehen.“
Ihr seid ja auch reich.“
Gloria hob die Schultern. Dann lächelte sie.
Wie viele Äpfel brauchst du denn für den Kuchen.“
Fünf.“
Gloria bückte sich und reichte ihr die Äpfel, die Hanna in die Jeanstaschen und oben in ihr Hemd stopfte.
Danke, weißt du was, ich komme Morgen und bringe dir ein Stück von meinem Kuchen.“
Das wäre schön! Aber nicht über den Zaun, klingle an der Tür.“
Am nächsten Tag, trieb sich Gloria immer wieder in der Nähe der Tür herum und wartete sehnsüchtig auf ihre neue Freundin.
Endlich klingelte es und das Dienstmädchen öffnete die Tür, betrachtete das einfach gekleidete Mädchen und meinte naserümpfend: „Betteln ist hier verboten.“
Da drückte sie Gloria zur Seite.
Das ist meine Freundin Hanna.“
Achselzuckend verschwand das Dienstmädchen und
Gloria zog Hanna in die Halle.
Diese sah sich staunend um.
Das ist ja größer, als unsere ganze Wohnung.“
Bald standen sie in Glorias Zimmer und wieder staunte Hanna über die Reichtum und Pracht.
Und trotzdem wunderte sie sich, dass ihre neue Freundin so traurig war und sie sprach ihren Gedanken laut aus.
Die Kleine zuckte die Schultern.
Ich habe alles was ich mir nur wünsche, aber niemand hat Zeit für mich. Mein Vater ist in seiner Fabrik, oder auf Geschäftsreise, meine Mutter hat immer Besuch und dem Personal bin ich immer im Wege. Sonst kümmert sich meine Hauslehrerin um mich, aber da Ferien sind, ist sie verreist.“
Mitleidig setzte sich Hanna neben Gloria und legte ihr den Arm um die Schulter.
Jetzt hast du ja mich, darf ich deine Freundin ..., oh nun hätte es beinahe vergessen, ich habe dir was mitgebracht.“
Sie zog aus ihrer Hosentasche ein etwas zerdrücktes Päckchen.
Mein selbst gebackener Kuchen.“
Gloria biss ein Stück von dem etwas zerquetschtem Gebäck ab und meinte noch nie so etwas köstliches gegessen zu haben.
Der ist aber lecker und den hast du ganz allein gebacken, hat deine Mutter sich sehr gefreut?“
Hanna nickte glücklich und nun erzählt sie, wie tapfer ihre Mutter ist und viel arbeiten muss, seit Papa tot ist. Aber sie erzählt auch wie sie ihr soviel wie möglich im Haushalt hilft. Ach und wie froh diese immer ist, wenn sie nach Hause kommt und alles aufgeräumt und das Abendbrot auf dem Tisch steht und wie ihre Mutter sie immer mein kleines Hausmütterchen nennt. Und abends kuscheln sie auf dem Sofa, erzählen was sie tagsüber erlebt haben, dann zeigt sie noch ihre Hausaufgaben und sie lesen sich abends gegenseitig vor.
Gloria aber laufen die Tränen über das Gesicht.
Deine Mama hat dich so lieb und meine liebt mich gar nicht.“
Unsinn! Deine Mutter hat dich lieb, sonst würde sie dir doch nicht all dies her schenken.“
Aber ich bin doch immer so allein.“
Das bin ich doch auch, weil meine Mutter den ganzen Tag arbeiten muss. Weißt du was, ich werde dich jeden Tag besuchen und dann spielen wir zusammen.“
Gloria nickt glücklich.

© Lore Platz







Samstag, 28. Oktober 2017

Man merkte , dass der November naht






Der goldene Oktober geht zu Ende. 
Gestern wagten sich noch einige ganz tapfere Sonnenstrahlen aus den Wolken hervor, doch heute beherrscht der Nebel die Welt.
Obwohl, wenn ich genau hinsehe, dann kämpfen sich doch einige Kinder von Frau durch den grauen Schleier.
Wieder will ich ein Gedicht von meinem Freund 'Die Nachtigall'
einstellen.

 
Die Trauerweide

Es spielen noch Sonnenfunken in den Haaren,
der alten Weide spiegelnd im See,
es ist noch klarend an himmelblauen Tagen,
Raureif glänzend, ein Gruß der Nebelfee.

Die Sonne blinzelt durchs Geschmeide,
was goldenfarbig herunter hängt,
es ist das Kleid der Trauerweide,
das Blatt für Blatt zu Boden drängt.

Erstarrt in armer Trauer dort,
ein armes Vogelflüstern in den Zweigen,
wo unlängst Wasservögel sind vor Ort,
entfaltet sich der Kälte eisig Schweigen.

O Trauerweide arm und huldvoll,
stets noch des Trauerns nicht genug,
noch trägt sie schmerzlich und geduldvoll,
den über dich verhängten Fluch.

Als der Herr noch auf Erden lebte,
da war auch sie ein starker Baum,
und ihres Laubes Krone strebte,
mächtig zu des Himmels Raum.

Des Winters Boten herrschten hier im Land,
und hielten ihr Leben fest gefangen,
da wich ihr stolzes Leben aus der Hand,
und ihr Lächeln erfror mit Bangen.

Ihre Arme musste sie neigen,
ganz beschwert zum Erdenraum,
mit fallenden Blatt und gelenkten Zweigen,
so war sie nur noch ein Wehmut Baum.

Der Wind an ihrem Haupt rüttelt,
und sie sich demutsvoll verneigt,
wird manches welke Blatt vom Baum geschüttelt,
bald er sich in seiner Nacktheit zeigt.

Jedes Jahr ist es dasselbe,
was hier vonstatten geht,
ihr grünes Kleid - später das Gelbe,
ihr reizend zu Gesichte steht.

Erstarrt in tiefer Trauer steht sie dort,
kein warmes Windgeflüster in ihren Zweigen,
doch in ihren Leben schläft es noch,
und wird sich im Frühling wieder blühend zeigen.


© Die Nachtigall





Mittwoch, 25. Oktober 2017

Meine erste Liebe





Meine erste Liebe

Meiner ersten Liebe begegnete ich, als ich gerade mal acht Jahre alt war.
Er war hässlich, hatte ein beschädigtes Ohr und war so mager, dass man die Rippen zählen konnte.
Unsere erste Begegnung fand im Heu statt.
Mit meinen Freunden Klaus, Rita, Vroni und Heinzi spielte ich „Verstecken“.
Klaus musste mit dem Rücken zu uns an einen Baum gelehnt laut bis Hundert zählen und wir schwirrten auseinander, um uns zu verstecken.
Ich wählte den Heustadl gegenüber, schlich vorsichtig die knarrende Holztreppe hinauf und kroch dann unter das aufgeschichtete Heu.
Mit angehaltenem Atem wartete ich nun, dass Klaus mit dem Zählen fertig war.
Am Quietschen von Rita und Vroni hörte ich, dass sie entdeckt worden waren und kicherte leise vor mich hin.
Die zwei lernten es nie. Immer machten sie alles gemeinsam, so auch das Verstecken.
Neben mir raschelte es plötzlich und ich dachte schon an eine Maus, da ragte der Kopf eines Katers aus dem Heu.
Dass es ein Kater war erfuhr ich erst später.
Er sah mich aus grünen traurigen Augen an und ich begann ihn auszugraben.
Erschrocken sah ich, dass das halbe rechte Ohr fehlte und bedeckt war mit verkrustetem Blut.
Als ich seine rechte Hinterhand streifte, miaute er qualvoll auf und vorsichtig streichelte ich seinen Kopf, den er drehte, um mir die Hand zu lecken.
Viel zu sehr mit dem verletzten Kater beschäftigt, überhörte ich, dass Klaus die Treppe hoch trampelte. „Gefunden!“
Da sah er die Katze und kniete sich mitleidig neben sie.
Glaubst du sie stirbt?“ fragte ich ängstlich.
Er zuckte mit den Schultern.
Am besten bringen wir sie zum Tierarzt.“
Er zog seinen Janker aus und wickelte das verletzte Geschöpf hinein und trug es vorsichtig die Treppe hinunter.
Vroni und Rita kamen angelaufen und streichelten mitleidig den Kopf der Katze, der aus der Jacke ragte.
Klaus aber steckte zwei Finger in den Mund und ließ einen schrillen Pfiff ertönen.
Wie ich ihn darum beneidete, mir gelang es nie einen Ton heraus zu bekommen.
Es raschelte in der alten Kastanie, zwei Beine wurden sichtbar und Heinzi sprang herunter.
Er grinste übers ganze Gesicht.
Gibst du auf?“
Dann sah er die die Katze und das Spiel war vergessen.
Wir standen alle um den Tisch herum, als Dr. Berger den Kater untersuchte.
Das gebrochene Bein wurde geschient, das Ohr gereinigt und er bekam noch eine Spritze.
Dann wurde er in das Hinterzimmer getragen in denen einige Käfige standen.
Hier durften die Tiere sich erholen bis sie wieder gesund waren.
Zum Spielen hatte ich keine Lust mehr und lief nach Hause.
Jeden Tag besuchte ich nun mein Katerle, so hatte ich ihn getauft, und es kam mir vor, als würde er schon auf mich warten.
Anfangs hob er nur müde den Kopf, doch von Tag zu Tag ging es ihm besser und eines Tages humpelte er an das Gitter und als ich meinen Finger durch den Maschendraht steckte und ihn streichelte, begann er laut zu schnurren.
Als ich eines Tages wieder in die Praxis kam winkte mich der Tierarzt in das Hinterzimmer, öffnete die Tür des kleinen Verschlags und Katerle kam noch etwas steifbeinig, aber ohne Gips auf mich zu gehumpelt, schmiegte sich an meine Beine und schnurrte laut.
Ich bückte mich und nahm ihn auf den Arm und sein Schnurren wurde noch lauter und ich bekam nasse Küsschen ins Gesicht.
Doktor Berger lachte vergnügt: „Wenn das nicht Liebe ist!
Hast du deine Eltern gefragt, ob du ihn behalten darfst?“
Ich nickte glücklich.
Einfach war es nicht gewesen und eigentlich hatte ich es meiner Oma zu verdanken.
Die meinte nämlich: „Wenn man jemand das Leben rettet, ist man für ihn verantwortlich!“
Katerle blieb viele Jahr bei uns und war ein guter Mäusefänger.
Einmal hat er sogar meine Tante Anna erschreckt.
Als sie mal wieder bei uns für einige Tage zu Besuch war und am Sonntag frühmorgens in die Kirche gehen wollte, lagen auf dem Fußabtreter vor der Tür fein säuberlich aufgereiht drei tote Mäuse.
Der gellende Schrei meiner Tante hat auch den letzten Langschläfer aus dem Bett geworfen.
Katerle aber marschierte stolz mit hoch erhobenem Schwanz an ihr vorbei, als wollte er sagen:
Wozu die Aufregung, ich wollte euch doch bloß zeigen wie fleißig ich die Nacht war.“

© Lore Platz



Montag, 23. Oktober 2017

Alles geht zu Ende





Auch unsere Reizwortgeschichten.
Ja leider beginnt sich unsere Gruppe aufzulösen. 
Eva hat keine Zeit mehr und möcht sich mehr ihrem Norwegenblog widmen.
Christine will sich ihrem zweiten Buch widmen.
Und Martina hat ihren Blog ganz gelöscht, aus zeitlichen Gründen.
Ich denke, das sollte uns auch zum Umdenken veranlassen.
Im Mai 2014 hat alles begonnen, denn damals hat Regina mich aus dem Tief nach dem Tod meines Mannes durch die Reiwortgeschichten heraus geholt. 
Im Laufe der Zeit sind einige Schreiber dazu gekommen und auch wieder gegangen, doch der Stamm ist geblieben.
Da sich nun auch ein wichtiger Ast unseres Stammes gelöst hat, sollten wir aufhören.
Aber da ich wieder gerne schreibe und keinen Anreiz dazu mehr nötig habe, ist es Zeit neue Wege zu beschreiten.
Ich habe bereits eine neue Geschichte in Arbeit und freue mich sie euch bald vorstellen zu können.
Und Regina wird auch weiter schreiben, außerdem haben wir auch noch unseren gemeinsamen Blog.
Also freut euch, mit oder ohne Reizwörter, das Geschichten schreiben liegt mir im Blut. (zwinkern)
 
 

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Mittwoch, 18. Oktober 2017

Der Wetterprophet

Ich kann das Wetter voraussehen, obwohl ich kein Frosch bin.
Obwohl es nicht stimmt, dass man einen Frosch in ein Glas setzen, eine kleine Leiter dazu, und dann nur beobachten muss, ob er nach oben klettert, das bedeutet nämlich Sonnenschein.
Im Gegenteil das arme Tier wird in dem engen Glas nur unglücklich.
Ein Frosch findet bei feuchtem Wetter genügend Nahrung auf dem Boden, aber wenn es sonnig ist, setzen sich die Mücken gerne auf ein Blatt und der Frosch muss ihnen nach klettern. Das ist das ganz Geheimnis.
Da man aber selten einen Frosch zu sehen bekommt, ist meine Methode doch viel besser.
Ich habe nämlich sprechende Knochen.
Tagelang geben sie Ruhe, doch dann melden sie sich. Erst wispern sie ganz leise, dann beginnen sie zu grummeln und dann fangen sie zu toben an. 

Und spätestens jetzt weiß ich:  
Morgen wird es regnen!
Nun bin ich am grübeln, wie ich dieses Wissen verwerten könnte, um meine Rente aufzubessern.
Übrigens zur Zeit sind sie sehr friedlich, aber ich sage euch sofort Bescheid, wenn sie sich bemerkbar machen, damit ihr eure Regenschirme bereit halten könnt. (zwinkern)